Alina Oehler (26) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Vor ein paar Jahrzehnten war sie noch ziemlich normal, heute ist sie exotisch geworden: die Diakonenweihe. Nun lud mich ein ehemaliger Mitschüler zu seiner Weihe ein. Bei Einladungen zu Hochzeiten kennt man die gängigen Konventionen und weiß sich zu verhalten. Was aber ist bei diesem speziellen Anlass angemessen? Ganz aufgeregt stieg meine Freundin zu mir ins Auto, als wir uns auf den Weg nach Stuttgart machten. Wie denn der Gottesdienst wohl ablaufen würde?, fragte sie mich aus. Und was das denn nun für Folgen habe, wenn er nun Diakon sei? Was darf er nun alles? – Aha! Unter anderem trauen und taufen.

Durch mein Studium kenne ich mittlerweile recht viele Neupriester und kann die zahlreichen Weihen der letzten Jahre bald nicht mehr aufzählen. Dass dieser Klassenkamerad, mit dem ich groß geworden bin, sich zu diesem Schritt entschließt, ist trotzdem etwas Besonderes. Denn ein frömmelnder Außenseiter oder stiller Sonderling war er nie gewesen, ganz im Gegenteil. Auch andere Berufsoptionen waren für ihn immer denkbar. Doch spätestens als seine Einladung im Briefkasten lag, war mir klar: Der zieht das wirklich durch!

Als ich meiner Freundin auf der Fahrt erkläre, dass der Diakon die erste von drei Weihestufen ist und er damit dem Bischof Gehorsam und die Ehelosigkeit verspricht, spüre ich, dass sie beeindruckt ist. Dass er, mit dem wir früher bis zum Morgengrauenfeierten und so viel lachten, sich nun für dieses Leben entschieden hat und damit der Welt ein Stück weit entsagt, lässt uns ein paar Minuten schweigen. Er, der so herzlich, intelligent und begabt ist, wird keine eigene Familie gründen. Stattdessen setzt er sich wohl weiter jeden Tag mindestens eine Stunde in die Kirche, um seine Gottesbeziehung zu pflegen, wie er einmal erzählt hat.

In der Kirche angekommen, sehen wir viele bekannte Gesichter aus unserer Heimatstadt. Ganze Busladungen sind für die Weihe ins 160 Kilometer entfernte Stuttgart gefahren. Von vielen Mitfahrern weiß ich, dass sie eher selten eine katholische Kirche von innen sehen. Ob sie denn verstehen, was es mit dem Diakonenamt auf sich hat?

Die Weihekandidaten ziehen mit dem Bischof in die Kirche ein, und die Liturgie beginnt. In der Predigt erläutert der Bischof das Sakrament, stellt den Dienst in den Mittelpunkt, leitet dabei das Wort von seinem griechischen Ursprung her. Diakone gingen mit den Menschen durch den Staub der Bedrängnis, sie seien nach dem Zweiten Vatikanum die "amtliche Repräsentanz Christi des Diakons und der dienenden Kirche". Also: besonders für die Notleidenden da. Doch das Diakonat ist auch ein sakramentales Amt. Der Weihekandidat erhält ein unauslöschliches Prägemal, Diakon bleibt man immer. Der Ernst ist spürbar an diesem Ort.

Nach der bewegenden Feier warten wir gespannt. Unser Freund trägt nun ein Kollarhemd, wirkt gelöst, strahlt und lacht mit uns. Er hat ihn getan – den ersten Schritt, um Priester zu werden. Und er hat damit auch bei uns etwas bewegt. Sein persönliches Bekenntnis zu Gott, in seiner radikalsten Form, hat selbst kirchenferne Menschen für einen Tag zum Staunen gebracht. Ich denke mir: Schade, dass so eine Weihe kaum einer mehr erlebt.