Am 6. März wird im Kölner Rundfunkhaus des WDR der Deutsche Hörbuchpreis 2018 überreicht, dessen Gewinner in den diversen Kategorien nach Beratungen mehrerer Jurys bereits jetzt feststehen. Unverständlich freilich bleibt bei dieser wie immer beeindruckenden Schau akustischer Sprachkunst, warum – wie erstmals im vergangenen Jahr – auch diesmal auf die renommierte Kategorie "Beste verlegerische Leistung" verzichtet wird. Gerade in diesem Bereich konnten seit 2008 ungewöhnlich innovative und langfristige Projekte gewürdigt werden: so zum Beispiel 2012 Moritz Holfelders Gesprächsreihe Architektur zum Hören (DOM Publishers), 2014 die Weltliteratur für Kinder (Hörcompany) oder 2016 das gigantische Unternehmen Die Quellen sprechen, das Dokumente zum Holocaust hörbar macht (Hörverlag). Dass der Trägerverein mit seinem prominenten Kuratorium diese Kategorie gestrichen hat, bewirkt Verarmung und Attraktivitätsverlust des Preises.

Hochverdient bekommt 2018 den Sonderpreis die Schauspielerin Eva Mattes, die mit ihrer Stimme seit vielen Jahren zahllose Hörbücher zu einem Ereignis gemacht hat, zuletzt Elena Ferrantes Tetralogie (Hörverlag). In der Kategorie "Beste Interpretin" gewann Valery Tscheplanowa für die feinnervige Deutung von Paulus Hochgatterers Roman Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war (Audio Media Verlag); Andreas Fröhlich bekommt den Preis in der Kategorie "Bester Interpret" für seine "süchtig machend komische" Lesung von Walter Moers’ Prinzessin Insomnia, wie die Jury zu Recht meint (Hörverlag). Takis Würgers Roman Der Club siegt mit dem von Theresia Singer orchestrierten Sprecherensemble in der Kategorie "Beste Unterhaltung" (headroom Verlag). Als "Bestes Kinderhörbuch" wird Franziska Hartmanns bezaubernde Lesung von Verena Reinhardts Die furchtlose Nelli, die tollkühne Trude und der geheimnisvolle Nachtflieger (Hörcompany) ausgezeichnet.

Beeindruckend ist der Gewinner in der Kategorie "Bestes Sachbuch": Für Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken (Der Audio Verlag) hat David Johst O-Töne des einstigen hessischen Generalstaatsanwalts aus Archiven zusammengetragen und Burghart Klaußner andere Zeugnisse des Juristen, des Anklägers von NS-Tätern, aber auch des Strafrechtsreformers Bauer lesen lassen – eine gelungene Collage über diese außergewöhnliche Figur.

Als "Bestes Hörspiel" wurde Dienstbare Geister ausgezeichnet (Hörspielpark), Buch und Regie vom vielfach preisgekrönten Paul Plamper. Wieder einmal hat Plamper eine originelle Idee mit starken Sprechern auf suggestive Weise umgesetzt: In Parallelsträngen konstruiert er zwei Aufstiegsgeschichten, die einer armen Berlinerin 1905 in Kamerun und die eines armen Kameruners in Deutschland 2015 – Kolonialismus und Postkolonialismus werden hier akustisch virtuos über die Zeiten verknüpft.

David Johst/Fritz Bauer Inst. (Hrsg.): Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken.
Der Audio Verlag 2017; 4 CDs, 306 Min., 19,99 €