Der Mörder suchte Jan Kuciak in dessen Haus östlich der slowakischen Hauptstadt Bratislava auf, er streckte ihn mit einem Schuss in die Brust nieder, und um ganz sicherzugehen, tötete er auch Kuciaks Verlobte – mit einem Kopfschuss. Das "wahrscheinlichste Motiv" für den Doppelmord, sagt der Polizeipräsident Tibor Gaspar, seien die Recherchen des Reporters gewesen.

Kuciak, 27, der als Reporter für das slowakische Portal aktuality.sk arbeitete, war einer jener Journalisten, die schon mal in der Redaktionsstube kampierten, wenn sie einer Story nachjagten. Zuletzt, sagen seine Kollegen, sei er der italienischen Mafia auf der Spur gewesen, genauer der ’Ndrangheta, die in großem Stil EU-Fördergeld umgeleitet haben soll. Kuciaks Kollegen glauben, dass er deswegen sterben musste.

Für investigativen Journalismus sind es schwere Zeiten. Autokraten wie Recep Tayyip Erdoğan brandmarken Journalisten als "Terroristen", sein Kollege Donald Trump erklärte den Medien den Krieg. Kaum eine investigative Recherche, die heute nicht unter Feuer gerät, es mischen sich die Vorwürfe mancher Leser mit denen der Mächtigen, die erkannt haben, wie erfolgreich sie die verbreitete Skepsis gegen Medien für sich nutzen können.

Kuciak ist der zweite investigative Journalist, der innerhalb von vier Monaten in der EU ermordet wurde. Im Oktober zerriss eine Autobombe die maltesische Reporterin Daphne Caruana Galizia, die wie Kuciak mit den Panama Papers gearbeitet und über die Verwicklung der maltesischen Regierung in zwielichtige Geschäfte berichtet hatte. Beide Journalisten stocherten im Dunkelfeld aus Organisierter Kriminalität und Politik, in dem es um heimliche Geldflüsse und Einfluss allgemein geht. In Ländern, in denen der Rechtsstaat schwach ist, sind es Journalisten, die dies ans Licht der Öffentlichkeit bringen – und damit ihr Leben riskieren.