Sie standen auf dem Rathausmarkt, eisig kalt war es, sie hüpften auf und nieder, läuteten ihre mitgebrachten Messdienerglocken und sangen Großer Gott, wir loben dich. Die katholische Kirche war am vergangenen Samstag im Zentrum der Stadt angekommen. 3500 Menschen, darunter viele Kinder. Ein starkes Zeichen des Glaubens. Was können sich die Würdenträger des Erzbistums Hamburg Schöneres vorstellen?

Einiges. Denn die Katholiken waren gekommen, um gegen sie zu protestieren. Gegen die Schließung von acht Schulen, die das Erzbistum unbedingt durchziehen will. Oder etwa nicht?

Nach vier Wochen des Entsetzens gibt es zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung für die vielen Menschen in der Stadt, die die Entscheidung des Bistums nicht hinnehmen wollen. Erzbischof Stefan Heße und sein Generalvikar Ansgar Thim empfingen im Anschluss an die Demonstration Vertreter der Genossenschaft, deren Ziel die Rettung aller katholischen Schulen in Hamburg ist. Der Schritt hatte Symbolkraft. Er war notwendig.

Das Erzbistum war in die Defensive geraten in den vergangenen Wochen. Weil es einen harten Sparkurs verkündete und ihn verteidigte. Vor allem aber, weil es zu wenig mit denen kommunizierte, die davon schwer enttäuscht waren: mit seinen eigenen engagierten Mitgliedern. Das Treffen mit den Vertretern der Genossenschaft war ein erstes Zeichen dafür, dass der Erzbischof die Sorgen ernst nimmt. Dass er nicht blind einer einmal eingeschlagenen Richtung folgt. Dass es vielleicht doch noch eine andere Möglichkeit gibt, als acht Schulen zu schließen.

Doch niemand darf sich zu früh freuen. Es gibt große Differenzen: Das Erzbistum will alleiniger Träger von 13 Schulen bleiben. Bei fünf der acht Schulen, die geschlossen werden sollen, sieht es weiterhin keine Möglichkeit für eine Rettung. Die Initiative hingegen sammelt gerade Geld, um alle 21 Schulen zu erhalten. Dafür verlangt sie ein Mitspracherecht bei Entscheidungen. Und sie fordert, an den acht bedrohten Schulen rasch wieder Anmeldungen für neue Schüler zu ermöglichen.

Bis zum Sommer sollen die Gespräche zu Ergebnissen führen. Beide Seiten geben sich offen für Lösungen. Das ist ein guter Anfang. Aber jedem, der sich um das Wohl der Schulen sorgt, muss klar sein: Es ist nur die notwendige Grundvoraussetzung. Eine tragfähige Lösung ist noch lange nicht in Sicht.