Mythos 1: Der falsche Umgang mit Gefühlen lässt Tumoren entstehen

Schon Hippokrates vermutete eine Verbindung zwischen seelischem Ungleichgewicht und Krebs. In den 1980er Jahren wurde eine regelrechte "Krebspersönlichkeit" postuliert: Wer Gefühle unterdrücke, erhöhe demnach sein Risiko. Diese populäre These beruhte jedoch auf methodisch mangelhaften Studien. In späteren hochwertigen Untersuchungen zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Psyche und Krebsrisiko. Riskant ist es bloß, psychischem Druck mit viel Nikotin und Alkohol zu begegnen.

Mythos 2: Krebskranke müssen vor allem kämpfen und positiv denken

Diese Ideen sind falsch und schieben dem Kranken die ganze Verantwortung zu. Krebs ist kein Krieg, sondern ein Zell-Prozess, der sich weder mit Willenskraft noch mit Gedanken steuern lässt. Patienten Schwächemomente zu verbieten, ist unmenschlich und unrealistisch – und nicht selten egoistisch motiviert. Es ist völlig normal, an manchen Tagen alles schwarz zu sehen, zu weinen oder zu schimpfen. Das schadet der Gesundheit nicht, es behindert nicht die Heilung und verursacht auch keine Rückfälle.

Mythos 3: Palliativmedizin ist nur etwas für die letzten Lebenswochen

Die Vorstellung, Palliativmedizin sei reine Sterbebegleitung, ist überholt. Viele Studien zeigen: Sobald sich Metastasen gebildet haben und der Patient Beschwerden, wie etwa Schmerzen hat, kann eine frühe palliative Versorgung die Lebensqualität stark verbessern und mitunter das Leben verlängern. "Das ist ein Segen für Betroffene und Angehörige", sagt Claudia Bausewein, Direktorin der Klinik für Palliativmedizin am Uni-Klinikum München. "Wir hören oft den Satz: Endlich kann ich wieder schlafen – wäre ich bloß früher zu Ihnen gekommen." Ambulante oder stationäre Teams aus Ärzten, Pflegenden, Sozialarbeitern und Psychologen unterstützen die Langzeitkranken auch bei seelischen, praktischen und finanziellen Fragen, damit sie so selbstbestimmt, zufrieden und würdevoll wie möglich leben können, auch über mehrere Jahre.