Wir sind richtig viele

Wie Krebsüberlebende gut versorgt bleiben

Dank der Fortschritte in der Medizin können immer mehr Krebskranke geheilt werden oder mit der Erkrankung lange leben. Viele Menschen gewinnen dadurch wertvolle Zeit. Es wird allerdings auch deutlicher als früher, dass der Krebs und die Therapie seelische, soziale oder körperliche Spuren hinterlassen. Mediziner richten ihre Aufmerksamkeit daher nun stärker auf mögliche Spätfolgen, damit die gewonnenen Jahre ihrer Patienten gute Jahre werden. Fachleute fordern, die Langzeit-Nachsorge bei Krebs und deren Finanzierung konsequenter zu regeln. In den USA zeichnet sich eine hoffnungsvolle Entwicklung ab: Aus der wachsenden Zahl der Krebsüberlebenden formiert sich die Patientenbewegung der "Cancer Survivors", die mit vereinten Kräften für ihre Interessen eintreten.

Was die Seele stützt und stärkt

Eine Krebsdiagnose stellt das Leben auf den Kopf: Sie löst starke Ängste aus; es gibt viel zu bedenken und zu regeln. Fast jeder dritte Patient ist so stark belastet, dass er psychisch krank wird, etwa eine Angststörung oder eine Depression entwickelt. Anders als noch vor ein paar Jahren werden diese Betroffenen nun besser versorgt: In vielen Klinken, aber auch ambulant arbeiten heute Psychoonkologen, die zügig lebenspraktische Unterstützung bieten. Diese Begleitung richtet sich auf Problemlösung in der Gegenwart, es geht nicht um den Blick zurück. Und, eine Sorge weniger: Die Kosten trägt die Krankenkasse.

Verlässliche Wegweiser

Der Begriff Psychoonkologie ist nicht geschützt. Manch gefährlicher Unsinn à la "Strahlen aus dem Weltall gegen Krebs" kommt womöglich mit diesem Etikett daher. Zum Glück lassen sich aber seriöse Therapeuten leicht finden: auf der Seite der Deutschen Arbeitgemeinschaft Psychosoziale Onkologie dapo-ev.de und auf krebsinformationsdienst.de.

Gut gespanntes Netz

Die Digitalisierung erleichtert es enorm, sich mit anderen Patienten, etwa aus einer Selbsthilfegruppe, zu vernetzen oder auch zu recherchieren. Experten raten Krebspatienten allerdings: Googeln Sie mit Vorsicht, denn das Internet ist voll mit falschen oder für Laien unbrauchbaren Informationen. Die wertvolle Zeit beim Arzt lässt sich sinnvoller nutzen, wenn der nicht erst einmal Unsinn aus dem Netz zurechtrücken muss, anstatt gleich gut zu beraten.

Arbeiten? Klar, wenn’s geht

Immer mehr Krebspatienten sind heute nach der Behandlung in der Lage, wieder arbeiten zu gehen, und sie gelten unter Experten sogar als besonders motiviert. In einer Studie der Universitätsklinik Leipzig gaben 85 Prozent der Krebskranken an, gerne in den Job zurückkehren zu wollen, 75 Prozent taten dies ein Jahr später dann auch. Fachleute beklagen allerdings, dass die Arbeitswelt noch zu unflexibel auf die Bedürfnisse ehemaliger Krebspatienten reagiert und sie nicht selten zu früh zu stark belastet werden. Arbeitnehmer sollten vorsorglich die Reha-Angebote wahrnehmen, sich nicht in die Frührente drängen lassen und sich beim Wiedereinstieg Zeit nehmen, so der Rat. Unterstützung bieten die Beratungsstelle "Krebs und Beruf" unter psychoonkologie-weser-ems.de und der Sozialverband Deutschland unter sovd.de.

*Name geändert