DIE ZEIT: Martin Varsavsky, Sie haben 200 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt, um einen Kinderwunsch-Konzern aufzubauen. Wieso? Es gibt doch schon Fruchtbarkeitskliniken.

Martin Varsavsky: Was wir bei Prelude Fertility bieten, gibt es nirgendwo sonst aus einer Hand: Junge Frauen mit vielleicht Mitte zwanzig frieren ihre eigenen Eizellen bei uns ein; sie lassen sie Jahre später befruchten, wenn sie so weit sind; es entstehen Embryos, die wir auf genetische Krankheiten testen – und dann setzen wir einen Embryo ein. Ich bin überzeugt: Frauen, die das machen, haben viel höhere Chancen, später im Leben gesunde Kinder zu bekommen.

ZEIT: Es ist also der Konzern zur Idee des "Social Freezing". Vor zwei Jahren wurde viel darüber diskutiert, aber seither ist es ruhig geworden. Wer interessiert sich noch dafür?

Varsavsky: Wir sind vor eineinhalb Jahren in Amerika gestartet und wenden uns an junge, hoch qualifizierte Frauen, die Karriere machen wollen, aber wissen, dass sie später Kinder haben möchten.

ZEIT: So eine Behandlung kostet Tausende Euro, selbst in Deutschland zahlt die Krankenkasse meist nur die Hälfte. Ist es also ein Angebot nur für Akademikerinnen und weibliche Führungskräfte?

Varsavsky: Wir haben kürzlich ein Abo-Modell eingeführt, eine Patientin bekommt nun alle Leistungen für 199 Dollar im Monat – vom Einfrieren der Eizellen über die künstliche Befruchtung bis zum Einsetzen des Embryos. Oft übernehmen auch Konzerne wie Apple, Google und Facebook die Kosten, wenn eine Mitarbeiterin unser Angebot nutzen möchte.

ZEIT: Wie viele Abonnentinnen hat Prelude?

Varsavsky: Wir bieten das seit zwei Monaten an, und erste Patientinnen entscheiden sich dafür.

ZEIT: So ein Abonnement wird viele Jahre laufen, was dann auch ziemlich teuer wird.

Martin Varsavsky (57) besuchte Deutschland zuletzt zur Tech-Konferenz DLD in München. © Raphael Huenerfauth/Photothek via Getty Images

Varsavsky: Das stimmt, aber dafür erhalten Sie die große Sicherheit, in späteren Jahren Kinder bekommen zu können. In Europa wäre es übrigens billiger. Legen Sie mich nicht fest, aber der Preis läge eher bei 99 Euro im Monat. Das hat mit den Gehältern zu tun, die wir unseren Ärzten in den USA zahlen müssen, es sind bis zu 70.000 Dollar – im Monat. Außerdem sind die Kosten für Arzneimittel in Europa deutlich niedriger.

ZEIT: Wie viele Standorte hat Prelude heute?

Varsavsky: Wir sind in San Francisco, Atlanta und Houston. Unser Ziel ist es, in drei bis fünf Jahren in allen großen Ballungsräumen zu sein.

ZEIT: Also in New York für die Bankerinnen, in Houston für die Mitarbeiterinnen der Energiekonzerne und so weiter?

Varsavsky: Nicht ausschließlich, aber dort arbeiten nun mal Frauen, für die Prelude attraktiv ist.

ZEIT: Welche Städte in Europa wären interessant?

Varsavsky: Am aussichtsreichsten ist es für uns in London und Madrid, aber auch Paris, München, Berlin, Hamburg und die Gegend um Düsseldorf sind für uns spannend.

ZEIT: Hätte es dort auch vor zehn Jahren eine Nachfrage gegeben?

Varsavsky: In Städten wie New York, San Francisco, London und Berlin leben heute die fortschrittlichsten Frauen. Sie wollen ihre Kinder bekommen, wenn sie dazu bereit sind, und sie wollen sich den Zeitpunkt nicht mehr von der Biologie vorschreiben lassen. Es sind hart arbeitende, liberale, karrierebewusste Frauen.

ZEIT: In Europa hatten Sie als Unternehmer mit einem WLAN-Start-up namens FON und mit den Telekom-Firmen Viatel und Jazztel großen Erfolg. Wieso nun ein Kinderwunsch-Konzern?

Varsavsky: Es gab einen persönlichen Auslöser. Meine Frau Nina und ich wollten ein Kind bekommen, aber es gelang uns nicht. Und weil ich der Besorgtere von uns beiden bin, war ich überzeugt, Technologie könne uns helfen. Und so kam es dann auch. Unsere erste Tochter Mia ist vor acht Jahren durch eine In-vitro-Befruchtung gezeugt worden.