"Liebe ist eine tolle Krankheit", schrieb der große Aphoristiker Robert Lembke. Denn: "Da müssen immer gleich zwei ins Bett." Und im Bett, da passiert vieles, das uns guttut: Haut schmiegt sich an Haut, Auge versinkt in Auge – Sex macht Menschen warm, heiß und wohlig und eins. Er schafft Reibung und Nähe, er ist schön und vertrauensvoll innig – gesund bräuchte Sex eigentlich gar nicht zu sein. Ist er aber noch dazu, sagen Forscher.

Bereits beim Küssen und Kuscheln schüttet der Körper Stoffe wie Oxytocin und Endorphine aus, Stresshormone werden gedämpft, wer viel kuschele, so heißt es, habe das bessere Immunsystem. Auch gegen Kopfschmerzen kann Sex mitunter helfen, zumindest bei vielen Menschen, wie Wissenschaftler herausgefunden haben (bei einem Drittel soll er die Kopfschmerzen allerdings schlimmer machen). Außerdem sei er gut für den Beckenbocken und damit für die Rückenmuskeln – und super für die Figur: Man verbrenne ebenso viele Kalorien wie bei einer leichten Laufeinheit, verkünden Wissenschaftler im American Journal of Cardiology .

Ab einer Dosis von zweimal pro Woche soll Sex geradezu wie Medizin wirken: Laut einer Gruppe von Epidemiologen der University of Bristol sinkt bei regelmäßigem Sex bei Frauen das Infarkt- und Schlaganfallrisiko, ein Grund dafür sei unter anderem die verbesserte Pumpleistung des Herzens. Männer, die regelmäßig Sex haben, leiden seltener an lebensbedrohlichen Herzerkrankungen, berichtet das New England Research Institute in Massachusetts nach einer Langzeitstudie. Zudem, ergänzen Forscher aus Taiwan, gebe es Hinweise darauf, dass Sex bei Männern die Bildung eines Blutgerinnsels verhindere – was die Gefahr von Schlaganfällen senke.

Dennoch: Man sollte vorsichtig sein. Sex wird in unseren Breiten für so wichtig genommen, dass noch die kleinste positive Forschungsmeldung mit großen Überschriften verbreitet wird: Sex macht gesund, hurra! Sex führt zu längerem Leben, toll! Und, klar, er macht schön: Laut einer Studie sollen Paare, die regelmäßig Sex haben, jünger aussehen. Wer dreimal die Woche miteinander schlafe, wirke demnach sogar durchschnittlich um zehn Jahre jünger – wer möchte das nicht!

Sex jedoch ist kein Wettbewerb, Liebe kein Leistungssport: Wichtig sind das Aufeinandereinlassen, das Ineinandereinladen, die Nähe und die vertrauensvolle Innigkeit, nicht die Striche im Kalender. Alles andere schließt diejenigen aus, die nicht allzu viele Striche im Kalender machen können oder wollen. Alles andere führt zu Stress. Und schadet am Ende beidem: dem Sex und der Liebe. —