Besonders schwierig ist es in diesen Tagen mit der Taubenkacke am Hauptbahnhof. Es ist schlicht zu kalt. Die Stadtreinigung kann nichts machen. Denn üblicherweise wird der Kot mit heißem Wasser aus einem Hochdruckreiniger weggespritzt. Doch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt würden die Flächen sofort vereisen, und die Wasserschläuche würden durch den hohen Temperaturunterschied bersten. Die Kotflecken auf dem Vorplatz sind somit vorerst ein kleiner Makel am Versprechen einer blank geputzten Stadt.

Abgesehen davon, ist Hamburg aber durchaus sauber, laut einer Befragung der Finanzbehörde sieht das auch die Mehrheit der Bewohner so. Die Stadtreinigung putzt jede Woche etwa 4.500 Fahrbahn- und 5.400 Fußwegkilometer. Durchschnittlich alle 350 Meter steht ein Mülleimer am Gehwegrand. Und allein rund um den Hauptbahnhof sind vier Müllmänner schichtweise bis zu 16 Stunden täglich unterwegs, um die Flächen zu reinigen.

Diese Stadt, so könnte man meinen, hat einen ziemlichen Putzfimmel.

Weil die Stadtreinigung jedoch nicht überall sein kann, häuft sich Alltagsmüll an manchen Stellen zuweilen dennoch zu wilden Deponien. So wurden allein im Jahr 2016 mehr als 1500 Tonnen Abfall einfach an Straßenecken und in Parks abgeladen. Das entspricht bis zu 110 voll beladenen Müllwagen. Die Bürger sind angehalten, diese Müllstellen zu melden – als Offensive im Kampf für mehr Sauberkeit. Im vergangenen Jahr registrierte die Stadtreinigung mehr als 28.000 entsprechende Hinweise.

Hierfür hat die Stadt eigens eine Hotline eingerichtet, und nun gibt es – natürlich – auch eine passende App, SRH (Stadtreinigung Hamburg). Wichtigste Funktion: "Müllecke melden". Über diesen Menüpunkt kann jeder App-Nutzer Bilder von Verschmutzungen an die Stadtreinigung schicken. Diese landen mit den dazugehörigen Koordinaten in einer Datenbank und werden geordnet. Meist innerhalb von drei Tagen, so verspricht es die Stadtreinigung, rücken dann die zuständigen Müllmänner und -frauen an und reinigen die gemeldeten Stellen: übervolle Abfallbehälter, Graffiti, zugemüllte Straßenecken, Fußwege und Parkanlagen.

Die Stadtreinigung hat seit Anfang des Jahres also ihre eigene Taskforce, eine Sondertruppe für Müllnotfälle: die sogenannten Clean Teams. Sie sollen auf Bürgerbeschwerden reagieren, überall in der Stadt und möglichst schnell. Ab dem Sommer sogar im Schichtsystem bis 22 Uhr.

Es ist eine ambitionierte Mission, auf die die Leute der Stadtreinigung geschickt werden, eine politisch verordnete Sisyphusarbeit. Die Frage ist: Wird die Stadt dadurch merklich sauberer? Ein Tag an der Seite des Clean Teams lässt daran eher zweifeln.

Die sechs Männer der Clean-Team-Frühschicht sitzen um einen Kantinentisch auf dem Betriebsgelände der Stadtreinigung in Billbrook. Sie sind zwischen Anfang 30 und Ende 50, manche arbeiten schon ihr gesamtes Berufsleben bei der Stadtreinigung, andere stecken noch in der Probezeit.