In der Zentralbank selber, ist zu hören, mache sich die Neue gut. "Sie ist bestens unterrichtet und für Argumente von allen Seiten offen", berichtet ein Insider von ihren ersten Auftritten unter Mitarbeitern. Sie ist Juristin, keine Ökonomin wie viele in der Bank, aber in Frankreich kommt es darauf ohnehin nicht so sehr an. Wichtiger ist, dass Goulard an der richtigen Universität studiert hat, um die höchsten Ämter der Republik zu bekleiden. "Die Führung machen bei uns die Enarchen unter sich aus", heißt es – eine Anspielung darauf, dass Goulard und ihre Gouverneurskollegen alle zur staatlichen Verwaltungshochschule ENA (École Nationale d’Administration) gegangen sind. Goulard ist eine Enarchin.

Und ein langjähriger Kollege von ihr, Sven Giegold, der als Grüner im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments eng mit ihr kooperierte, beschreibt sie durchaus als eine Interessenvertreterin des französischen Establishments. In der Diskussion um die Finanztransaktionssteuer beispielsweise sei sie mehr als Lobbyistin im Sinne Frankreichs aufgetreten – und weniger im Namen der gemeinsamen europäischen Sache.

Die Finanztransaktionssteuer passte den großen Pariser Investmentbanken überhaupt nicht, also war Goulard nur halbherzig dafür, sagt Giegold. Ebenso bei den Bemühungen um eine Bankenstrukturreform in Europa. Als die EU-Kommission infolge der internationalen Finanzkrise Vorschläge zu einer Trennung des Investmentbanking vom restlichen Bankgeschäft machte, um beides besser kontrollieren zu können, war Goulard eine entschiedene Gegnerin der Kommission. Das war auch ganz im Sinne Macrons, der Investmentbanker war.

So haben sie sich gefunden: Macron und Goulard, der Weltenstürmer und seine Frau fürs Geld. Tatsächlich berührt die bevorstehende Auseinandersetzung mit dem deutschen Bundesbanker Weidmann alle zentralen Anliegen Macrons. Macrons Plan lautet: Europa soll sich als Weltmacht neben den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China behaupten.

Nach seinem Willen soll es einen Euro-Haushalt geben und einen Euro-Finanzminister. Für diese ehrgeizigen Pläne muss er den nächsten EZB-Chef gewinnen. Und gerade erst hat Goulards Chef, der Gouverneur, Weidmann in München in einer Rede gewarnt: Zwischen den deutschen Regelhütern und den französischen Ausgabefans bestehe eigentlich gar kein richtiger Gegensatz, und außerdem dürfe man deutschen Pragmatismus nicht gegen die neuen französischen Visionen ausspielen. Mit Sicherheit hat Goulard diese Rede mitverfasst.

Goulard sagt, dass ihre französischen Freunde sie oft gar nicht richtig verstünden. Sie forderte, dass Frauen in die höchsten Bankpositionen kommen, jahrelang plädierte sie in Reden und Büchern dafür. In den kommenden Monaten wird man viel von ihr hören. Goulard wird eine Vertreterin der Banque de France werden, die man in Frankreich selbst, beim deutschen Nachbarn und in ganz Europa mit Namen kennt. Nichts anderes hat ihr Macron als Aufgabe gestellt.