In der katholischen Kirche wird derzeit viel über etwas geredet, über das die Bistümer lange geschwiegen haben: Geld. Beispiel Hamburg: Im dortigen Erzbistum stellte man jüngst zum eigenen Erschrecken fest, dass man sich acht der 21 katholischen Schulen fortan nicht mehr leisten kann. Beispiel Freiburg: Die Badener bemerkten kürzlich, dass für viele Bistumsmitarbeiter über Jahre keine Sozialleistungen gezahlt wurden. Beispiel Eichstätt: Ein leitender Angestellter verzockte, wie das Bistum zugeben musste, bis zu 48 Millionen Euro in dubiosen US-Immobilienfonds. Der Fall Eichstätt sticht aus den finanziellen Hiobsbotschaften der jüngsten Vergangenheit noch einmal in besonderer Form heraus: weil er von krimineller Energie, von der Hybris kirchlicher Finanzangestellter und von einer Bischofsleitung handelt, die bei Millionenanlagen so naiv vertraute, als ginge es um eine 200-Euro-Spende fürs Senioren-Café. Unsere Autorin Julia Ley hat in den vergangenen Wochen rund um den Eichstätter Dom recherchiert. Eine ihrer Erfahrungen: Viele Katholiken vor Ort ärgern sich über die zweifelhafte Verteidigungsstrategie der Bistumsleitung, die in dem Satz gipfelt: "Wir sind Opfer und nicht Täter."

Die Häufung schlechter Finanznachrichten hat inzwischen ihre Spuren an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz hinterlassen. Reinhard Kardinal Marx, Chef der Bischofskonferenz, verliert offenbar die Geduld mit jenen Amtskollegen, die noch immer lax und verschwiegen mit ihren Finanzen umgehen. Die nach dem Skandal um die Limburger Bischofsresidenz versprochene Transparenzoffensive sei "nicht ganz so gelungen, wie wir uns das vorgestellt haben", räumte Marx jüngst ein. Die Kirche müsse bei der Kontrolle der Finanzen schneller und transparenter werden. Anweisungen könne er aber nicht erteilen, sagte der Kardinal. Die katholische Kirche sei ja kein Konzern und er nicht Konzernchef. Die Enttäuschung muss groß sein bei Marx, oft kommt es nicht vor, dass der Chef der Bischofskonferenz öffentlich andeutet, dass ihn die Reformunlust einiger Amtskollegen stört.

Viele analysieren die Ausgangslage ähnlich wie der Münchner Kardinal: Bei sinkenden Mitgliederzahlen und steigenden Kosten wird die Kirche immer häufiger über Geld reden müssen – über jenes, das sie nicht mehr ausgeben kann. Wer klugen Katholiken Sparpläne erklären will, der sollte seine Bilanzen nicht länger in der Schublade verstecken. In der Debatte um die Zukunft der beliebten katholischen Schulen in Hamburg zeigt sich gerade, wie die Basis mit scheinbar unvermeidlichen Spar-Entscheidungen des Bistums umgeht: Sie verlangt Einsicht in Kostenkalkulationen, in Bilanzen und Finanzmodelle – und legt eigene Entwürfe vor.

Die Diskussionen über das, was sich Kirche noch leisten kann, sie werden an Intensität zunehmen. Und die Fragen an den jeweiligen Bischof dürften kritischer werden: Muss gespart werden, weil die Diözese dilettantisch gewirtschaftet hat? Oder ist das institutionelle Kleid wirklich zu groß, in dem die schrumpfende Kirche heute steckt? Letzteres sagt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck über die Lage im Ruhrgebietsbistum. Die nächsten Kandidaten für Finanzprobleme und -streitigkeiten zeichnen sich schon ab: In Mainz hat der Bistumschef Peter Kohlgraf einige Probleme von seinem Vorgänger geerbt. Seine Diözese leistet sich etwa trotz Haushaltsdefizits noch viele eigene Schulen. Dabei sind katholische Gymnasien und Grundschulen so beliebt wie teuer, allein die Lehrerpensionen verschlingen viele Millionen. Wie geht es weiter im Ruhrgebiet, wo sich die Essener kreativ gegen den fortschreitenden Niedergang wehren? Auch die Situation in Magdeburg gilt als brenzlig. Das Ostbistum hat vor einigen Jahren mit riskanten Investmentgeschäften Millionen verloren und kämpft nun mit hohen Altschulden. In einem sind sich Finanzexperten sicher: Die von Kardinal Marx gewünschte transparente Buchführung dürfte noch einige bisher gut kaschierte Finanzprobleme zutage fördern.

* Zahlen für das Jahr 2016