Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Mitunter muss man im Leben etwas Flexibilität an den Tag legen. Nehmen wir beispielsweise die ehemalige Chefin der Grünen. Mit heiligem Zorn pflegte Eva Glawischnig die Umtriebe der Glücksspielindustrie anzuprangern. Aus reiner Profitsucht würde diese gewissenlose Branche arme Kreaturen in die Spielsucht treiben und ihre Existenz vernichten. Stimmt. Nun dürfte die ehemalige Politikerin aber ihre Meinung geändert haben, denn sie trat in die Dienste des Novomatic-Konzerns, der mit einarmigen Banditen Milliarden gescheffelt hat. Große Empörung bei ihren früheren Wegbegleitern. Was ein wenig überrascht, erinnert doch die Mehrheitsfindung bei den Grünen immer auch ein wenig an Roulette. Doch halt, so billig lässt sich der Karriereschritt auch wieder nicht abtun. Zum Aufgabengebiet der neuen Casino-Kraft gehört "Sustainability". Klingt gut, denn Nachhaltigkeit ist ja allen Spielsüchtigen bestens bekannt, zumal sie sich mit den Folgen ihrer Sucht ziemlich lange beschäftigen müssen. Meist ist das sogar eine Lebensaufgabe. Außerdem werde sie sich, wie sie sagt, um "verantwortungsvolles Spielen" kümmern. Wie so etwas gehen soll, bleibt schleierhaft, weil Sucht und Verantwortung nicht immer gemeinsame Wege gehen. Aber als "Verantwortungsmanagerin" in einem Konzern, der vom Höchstgericht bereits wegen seiner Machenschaften verurteilt wurde, scheint sie nun endlich ihre Bestimmung gefunden zu haben. Ihre Werte würden unangetastet bleiben. Doch die neue Glücksfee, die früher pädagogische Einschränkungen durchaus als gesellschaftspolitisches Gestaltungsmittel zu schätzen wusste, ist nun zu der Erkenntnis gelangt, Spielsucht lasse sich nun eben nicht verbieten. Tja, die Perspektive ist eben immer eine Frage der Perspektive.