Der Ort, an dem die Musik entsteht, die in Tausenden Kinderzimmern gehört und geliebt wird, ist selbst kaum größer als ein Kinderzimmer. Das Studio, in dem die Band "Deine Freunde" an ihren Liedern arbeitet und sie aufnimmt, liegt im Keller eines Hauses mitten in Hamburg. Gegenüber ist ein Spielplatz, drum herum Häuser mit Wohnungen.

"Unser Kellerding" nennt Sänger Lukas das Studio. Er lümmelt an einem Vormittag Ende Februar auf dem braunen Ledersofa herum. Über ihm an der Wand hängen die drei gelben Eierköpfe, das Markenzeichen der Band. Dass Musik hier unten wichtig ist, sieht man sofort: Neben der Tür stehen zwei Plattenspieler, gegenüber sind Hunderte Schallplatten in einem Regal aufgereiht, und auf einem Schreibtisch liegt ein Keyboard vor einem Computerbildschirm.

Dass hier unten auch Musik aufgenommen wird, sieht man erst auf den zweiten Blick: An den Wänden und der Tür kleben schwarze Schaumstoff-Zacken und dicker schwarzer Stoff. Beides schluckt Geräusche. Denn wenn Lukas einen Refrain singt oder Flo eine Strophe rappt, soll möglichst nur die Stimme auf der Aufnahme zu hören sein. Deshalb steht das Mikrofon auch ganz hinten in einer Ecke. Pauli sitzt meistens am Schreibtisch vorm Computer. Mit ihm nimmt er den (Sprech-)Gesang auf, und mit dem Computer macht er auch die Musik.

Eigentlich verbringen "Deine Freunde" gerade wenig Zeit in ihrem "Kellerding". Bis zum vergangenen Wochenende waren sie auf Tour, haben Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz gespielt. Dass sie an diesem Tag im Studio sitzen und eine Extraschicht machen, liegt an euch, den ZEIT LEO-Lesern. Denn im Dezember haben sie hier auf diesen Seiten erklärt, wie ihre Rap-Songs entstehen und wie ihr selbst mit dem Reimen loslegen könnt. Und dann durftet ihr Ideen zu dem Lied Keine Märchen schicken, aus denen die Band nun eine weitere Strophe gebastelt hat.

Es ist das erste Mal, dass Kinder so richtig an einem "Deine Freunde"-Song mitgearbeitet haben. Einige von euch haben allein gereimt, andere zusammen mit Freunden, sogar ganze Schulklassen haben Texte geschickt, und von den Hörern des Kinderradios Kiraka gab es auch noch Unterstützung. "Wahnsinn! Wir hätten niemals gedacht, dass so viele coole und lustige Vorschläge kommen", sagt Flo, der ein bisschen müde aussieht. "Er hatte ja auch die meiste Arbeit", erklärt Pauli. Ein ganzes Wochenende hat Flo über der Strophe gebrütet und jede Konzertpause genutzt. "Flo hat überall getextet, sogar hinter der Bühne", erzählt Lukas. "Und er ist extra früh aufgestanden. Als Pauli und ich aus dem Bett gekrochen sind, hatte er schon drei Stunden an der neuen Strophe gebastelt."

Dass es so viel Arbeit wird, hätte Flo selbst nicht gedacht. Der Song war schließlich schon fertig. "Eigentlich wollte ich aus den Ideenfetzen eine Strophe in unserem Stil machen", sagt Flo. Doch die Einsendungen waren zu gut. Und irgendwie fand Flo es auch unfair, einige Reime einzubauen, andere aber nicht. Deshalb entschied die Band: Alle Kinder und alle Vorschläge sollen kurz und mit Namen auftauchen. Und so ist die neue Strophe sieben Minuten lang – fast doppelt so lang wie das ursprüngliche Lied!

Aber nicht nur die Länge ist anders als bei einer üblichen "Deine Freunde"-Strophe: "Wir haben bisher in unseren Songs nicht geflucht", sagt Flo und grinst, "da haben die Kinder krasser rausgehauen, zum Beispiel 'Jaron hat bei Märchen ’ne Macke, was soll die ganze Kacke'." Richtig schwierig war der passende Rhythmus für den Sprechgesang, der "Flow", wie Flo es nennt. "Normalerweise sagt einem eine Rap-Zeile, wie man sie flowen muss. Das haben die Kinder auch echt gut reingebracht", findet er. "Nur hatten alle ihren eigenen Flow. Und das war echt Chaos!" Als der Text endlich fertig war, haben Flo und Pauli gut drei Stunden gebraucht, um die Sieben-Minuten-Strophe aufzunehmen.