Als der Internethändler Amazon im Frühling vergangenen Jahres damit begann, in ausgewählten deutschen Städten Kunden auch Lebensmittel nach Hause zu liefern, geriet die Konkurrenz kurz in Panik. Werden die gut 37.000 Supermarktfilialen im Land verwaisen? Werden Verbraucher sich Obst und Gemüse, Käse und Wurst, Kaffee und Tee künftig lieber bringen lassen, statt ihre Einkäufe selbst zu schleppen?

Passiert ist das nicht. Mit einem Marktanteil von etwa einem Prozent sind Online-Supermärkte ein Nischenphänomen in wenigen Metropolen. Aldi sieht im Lebensmittel-Versandhandel keine Zukunft. Kaufland, das wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, hat ein Pilotprojekt mit Lebensmittellieferungen in Berlin erst vor wenigen Wochen abgebrochen, weil es sich "nicht kostendeckend betreiben" lasse.

Eine Reihe von Lieferdiensten kämpft hierzulande dennoch um Kunden, darunter: AmazonFresh, das in Berlin, München, Hamburg und Potsdam liefert. Der zu Edeka gehörende Bringmeister in Berlin und München. Der in 75 Städten operierende Rewe-Lieferservice sowie die beiden landesweit tätigen Anbieter MyTime und AllyouneedFresh.

Diese fünf Online-Supermärkte hat die Berliner Nichtregierungsorganisation Foodwatch nun getestet. Die Untersuchungsergebnisse liegen der ZEIT exklusiv vor. Wichtigste Aussage: Die Anbieter unterscheiden sich untereinander vor allem in Details. Gewaltige Unterschiede gibt es allerdings zwischen den Lieferdiensten und herkömmlichen Supermärkten: Die Online-Händler sind oft weniger transparent und verursachen teils deutlich mehr Müll.

Überprüft hat Foodwatch nicht nur Kriterien wie die Qualität der Ware, den Preis und die Liefergeschwindigkeit – sondern unter anderem, ob die Unternehmen gesetzliche Informationsvorschriften beachten. Während die Produktqualität durchweg zufriedenstellend gewesen sei, bemängelten die Tester den hohen Einsatz von Trackern, mit dem die Firmen ihre Kunden online beobachten. Relativ gut schnitt hier AllyouneedFresh ab, am schlechtesten Rewe.

Die Tester kritisierten nicht nur die Anbieter, sondern auch deren Überwachung. "Während der Lebensmittelhandel das Internet erobert, stecken die Kontrollbehörden in kommunalen Offline-Strukturen fest", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker der ZEIT . "Vielerorts können die Lebensmittelämter schon bei Betrieben vor Ort nicht alle vorgeschriebenen Kontrollen durchführen – und jetzt kommt noch der Internethandel mit großen Shops und unzähligen kleinen Nischenanbietern dazu. Im Online-Lebensmittelhandel besteht ein erhebliches Kontrolldefizit. Die kommunalen Behörden können das nicht leisten. Es wäre richtig, die Überwachung des Online-Handels auf Bundesebene zu organisieren."