Ja!

Das Fußvolk: Die Mitmenschlichkeit, der Realismus und die Erdung von Papst Franziskus kommen an. Er genießt große Unterstützung in der Bevölkerung und unter vielen Priestern und Bischöfen. Auch in anderen Konfessionen und Religionen und sogar unter Agnostikern ist er vergleichsweise beliebt – und hat hohe Glaubwürdigkeitswerte.

Die Wähler: Franziskus hat bereits 49 von derzeit 117 stimmberechtigten Mitgliedern des Kardinalskollegiums, die dereinst seinen Nachfolger wählen, selbst ernannt. Die Mehrzahl von ihnen kommt aus Ländern am Rand, die sonst noch nie beachtet wurden. Dazu kommen viele, die ihn schon 2013 aus Überzeugung wählten. Gute Chancen, dass sie im nächsten Konklave "den Kurs halten".

Der Bewusstseinswandel: Die Franziskus-Ethik beginnt durchzuschlagen. Der Papst umarmt, wäscht Füße, appelliert, schimpft – und zeigt selbst in all seinen Gesten Barmherzigkeit und Zugewandtheit. Steter Tropfen höhlt den Stein: Wer es immer und immer wieder gesagt bekommt, kann nicht mehr ganz so achtlos an Bettlern, Obdachlosen und Flüchtlingen vorbeigehen. Zumindest nagt das schlechte Gewissen.

Die Frischluft: Manche Fenster sind – für Kirchenverhältnisse – in den vergangenen Jahren schon ziemlich weit aufgegangen. In Zeiten, wo die weniger werdenden engagierten Mitglieder auf mehr Mitsprache und Mitnahme pochen, kann ein Franziskus-Nachfolger sie nicht einfach wieder zumachen.

Erlahmender Widerstand: Viele Gegner der franziskanischen Reformen an der Kurie und in der Weltkirche sind inzwischen kaltgestellt oder haben qua Alter an Posten und Einfluss verloren. Ihre Kräfte scheinen derzeit nachzulassen.

Nein!

Das Alter: Franziskus ist selbst auch schon 81 Jahre alt – und mutet sich seit fünf Jahren ein wahnwitziges Pensum zu. Zwar scheint sein Gesundheitszustand leidlich stabil. Doch in seinem Alter kann es tatsächlich immer schnell gehen. Noch sind viele Projekte nicht in trockenen Tüchern. Bis zum Break-Even-Point fehlen noch ein paar Jahre.

Die Skandale: Auch die Franziskus-Administration ist keineswegs ohne Pannen und Fehlentscheidungen verlaufen: Die Vatikanfinanzen mit gleich mehreren in Verruf gekommenen Entscheidern, die Kontroverse um den möglichen diplomatischen Deal mit Peking oder der ungeklärte Missbrauchsfall um den von Franziskus berufenen und beschützten Bischof Juan Barros in Chile beschmutzen das Saubermann-Image.

Die Seilschaften: Ja, der Widerstand ist geschwächt – aber er ist noch da. Die Beharrungskräfte im Vatikan sollte man nicht unterschätzen. Manch einer hatte sich dort gut eingerichtet – und dabei etwas ziemlich anderes für einzig wahr gehalten als derzeit gelehrt wird. Das alte Establishment besteht nicht nur aus den lautstarken über 80-Jährigen.

Die Abnutzung: Unsere von "Like" und "Unlike" geprägte sozialmediale Gesellschaft kann mit langfristigem Wandel wenig anfangen. "Wann liefert der endlich?" – die Frage steht sehr schnell im Raum und geht dann auch nicht mehr weg. Einen festgefahrenen Tanker umzusteuern braucht Energie, Zeit – und Geduld. Für Franziskus endliche Ressourcen.

Das Fundament: Die Kritiker werfen Franziskus fehlende theologische Fundierung vor, wie sie der "Professor Papst" Benedikt XVI. und der Moraltheologe und Philosoph Johannes Paul II. zuvor durch seinen Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger hatten. Der Jesuit Bergoglio schaut lieber auf den Einzelfall denn auf starre Regeln. Das werten viele als Preisgabe von Prinzipien.