Es gibt diese Momente, da weiß er nicht, wohin mit all der Kraft. Dann richtet er sich auf, holt aus und schlägt mit der Faust dröhnend auf den Tisch. Einmal, zweimal, immer wieder. Besucher, die Peter Fischer nicht kennen, wundern sich und zucken zusammen. "Paff, paff, paff!", skandiert er dazu. "Erstens, zweitens, drittens!" Dann ist für einen Augenblick Ruhe, das Gespräch unterbrochen, während Fischer langsam zurück in seinen Sessel sinkt.

Jede Bewegung tut ihm weh an diesem Abend, ein Bandscheibenvorfall, ein paar Tage erst ist es her, dass seine hünenhafte Gestalt diesen Knick bekam. Schonhaltung! Dafür ist er nicht der Typ. Wenn er das schon hört. Fischer hasst es, nicht in Form zu sein. Gerade jetzt, wo so viele Menschen auf ihn schauen.

Seit 17 Jahren steht Fischer als Präsident an der Spitze von Eintracht Frankfurt, 51.000 Mitglieder, 51 Sportarten, eine größere Vereinsfamilie wird man schwerlich finden. In Hessen kennt wohl jeder den Mann mit dem wehenden bunten Schal. Wenn er mit seinem brokatverzierten Künstlerjackett um die Ecke kommt, dann gibt es überall erst mal ein großes Hallo.

Seit ein paar Wochen ist Fischers Name im ganzen Land ein Begriff, vielleicht gilt das sogar für Teile Europas und, wer weiß, auch darüber hinaus. Binnen weniger Tage ist der 61 Jahre alte Clubchef zu einem Medienstar geworden. Zu einer frischen Kraft im Kampf gegen Rechts.

Fischer hält es nicht für genug, einen Slogan wie "No to Racism" auf die Trikots der Spieler zu drucken. Deshalb hat er Ende vergangenen Jahres ein Interview gegeben, das noch immer nachbebt. Mitglieder der AfD hätten bei der Frankfurter Eintracht nichts zu suchen, hat Fischer gesagt. Und er hat hinterhergeschoben: "Demokratie hat in einer ganz bestimmten Form auch ihre Grenzen." Er beruft sich dabei auf die Satzung seines Vereins. Sie beinhalte "ein ganz klares Wertesystem – gegen Antisemitismus und Rassismus. Das schließt sich aus mit dem, was die Mandatsträger der AfD in unerträglicher Weise kommunizieren."

Seitdem kommt sein Büro mit dem Abheften der Hassmails kaum noch nach. "Böseste Bedrohungen", sagt Fischer, "was die alles mit mir anstellen wollen – ›töten, verbrennen, Du bist ein Drecksaujude, wir kriegen Dich, und dann hängen wir Dich auf‹." Die AfD in Hessen stellte Strafanzeige gegen ihn wegen Beleidigung und übler Nachrede. Personenschutz hat man ihm angeboten. Fischer hat das abgelehnt.

Wäre er ein Politiker, würde man sagen, dass da jemand sein Thema gefunden hat. Aber Fischer hat das Thema eigentlich gar nicht gesucht. Er bekleidet das Präsidentenamt seit dem Jahr 2000, gerade erst, Ende Januar, ist er mit 99 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Ein unangefochtener Vereinspräsident war er auch ohne Kampfansage an die AfD.

Er nennt sich selbst einen "streitbaren Demokraten". Aber das tun viele andere auch und halten im Zweifel lieber den Mund. Fischer fällt das schwer. Wenn er eine Meinung hat, dann sagt er sie auch. Sicher, die AfD habe bei der Bundestagswahl 13 Prozent erreicht, "dann ist dies das Ergebnis einer demokratischen Entscheidung. Paff!" Allerdings sei ebenso wahr, dass niemand Mitglied von Eintracht Frankfurt werden müsse, das machten alle freiwillig. "Paff!" "Freiwillig heißt, ich unterwerfe mich unserer Satzung. Sie enthält die Spielregeln, die Satzung ist unser Gesetz. Paff!" Und wieder wackelt der Tisch.