Nachdem die chinesischen Frauen seit Langem im Weltschach tonangebend sind, hat sich nun erstmals auch ein chinesischer Mann für das Kandidatenturnier in Berlin vom 10. bis 28. März qualifiziert. Eine besondere Empfehlung für Ding Liren (25), Herausforderer des norwegischen Weltmeisters Magnus Carlsen (27) zu werden, ist sein Meisterwerk im November 2017 gegen Landsmann Jinshi Bai, bei dem ein herrliches Damenopfer von einem fantastischen Turmmanöver und einer abenteuerlichen Königsflucht quer übers Brett gekrönt wurde. Diese "Partie des Jahres" hat nur einen klitzekleinen Schönheitsfehler: Der Gegner gab vor dem endgültigen Matt auf.

Das erinnert mich an den Karl-May-Verleger, Schiedsrichter (der epochalen WM-Kämpfe Fischer gegen Spasski und Karpow gegen Kortschnoi) und Schachgroßmeister Lothar Schmid, der einem Gegner einst bedeutete: "Aber Sie können doch nicht aufgeben, wenn es am schönsten ist!" Der einstige WM-Kandidat Nigel Short beklagte sich kürzlich bitter, als er mit einer doppelten (!) Unterverwandlung eines Bauern, jeweils in einen Springer, wunderschön gewinnen wollte: "Wie kann er es wagen, meine exquisite künstlerische Leistung (durch Aufgabe) mutwillig zu sabotieren?!" Nun aber zurück zur "Partie des Jahres":

Nach welchem höchst ästhetischen schwarzen Zug in diesem wilden Durcheinander mit zwei nackten Königen gab Weiß schon auf, und wie wäre sein König matt gesetzt worden? Oh, wie schön ist Schach!

Lösung Nr. 10:

Wie gewann Weiß am Zug?

Mit 1.f6+!. Nun verlöre 1...Sxf6 2.Dxh6+ Kg8 3.Sxf6+ augenblicklich. Schwarz versuchte noch 1...Kg6 (1...Kh8 2.Dd8! nebst 3.Df8 – 4.Dg7), gab aber nach 2.Df4! Dd4 3.Se5+ Kh7 4.Df5+ wegen 4...Kh8 5.Sxf7 matt auf. Freilich gewönne auch 1.Sxh6