Die Europäer haben in den vergangenen Wochen bei Minusgraden gebibbert. Da wäre es doch ein schöner Trost, wenn man auf weniger Mücken im Sommer hoffen könnte. Nur ist diese Hoffnung leider unbegründet.

Das zeigt schon ein Blick nach Skandinavien oder Sibirien, wo es trotz bitterkalter Winter im Sommer von Mücken nur so wimmelt. Im Herbst sterben die Männchen, nachdem sie die Weibchen befruchtet haben. Diese suchen sich eine geeignete Stelle, um in Winterstarre zu fallen. Sie mögen es kühl, feucht und dunkel, deshalb verkriechen sie sich gern in Kellern und Schuppen, wo sie auch vor Fressfeinden sicher sind. Dort können die Insekten die kalte Jahreszeit tatsächlich im Tiefschlaf überleben. Ein körpereigenes Schutzmittel auf Glycerinbasis schützt ihr Blut vor dem Frost.

Was den Mücken zusätzlich über die Frostperiode hilft: Die vorher abgelegten Eier und selbst bereits geschlüpfte Mückenlarven enthalten wenig Wasser und sind daher sehr kälteresistent. Außerdem verfügen die Larven, die in Gewässern überwintern, über eine Art Schnorchel. Ihr Atemrohr ragt aus dem Wasser – der Teich oder die Regentonne kann ruhig zufrieren, die Larve überlebt.

Generell kann man sagen: Alle Insekten, die hier heimisch sind, sind auch ans Klima angepasst und überstehen einen kalten Winter. Biologen sagen sogar: Nach einem langen, kalten Winter sind sie in besserer Verfassung als nach einem, der von warmen Phasen unterbrochen wurde. Denn wenn das Thermometer über zehn Grad steigt, können die Mücken aufwachen, aktiv werden und sogar Menschen stechen. Das kostet sie Energie, die ihnen dann im Frühjahr fehlt.

Wie mückenreich der Sommer dieses Jahres wird, entscheidet sich nicht im Winter, sondern in einer anderen Phase, nämlich im Frühjahr und Frühsommer. Wenn es in diesen Monaten feucht und warm ist, haben die Insekten ideale Bedingungen, um sich massenhaft zu vermehren – und uns im folgenden Sommer und Herbst das Leben schwer zu machen.

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