Dass wir wissen, wie es um die Überhitzung unserer Erde steht, haben wir einer Organisation zu verdanken, die sich hinter dem Kürzel IPCC verbirgt. Dieser Weltklimarat trägt das Wissen zusammen, das Forscher weltweit produzieren. Er trennt hochwertige von schlampiger Forschung, wertet sie aus und kondensiert eine Version von gesicherten Erkenntnissen.

Der IPCC kennt nicht die letzte Wahrheit über den Klimawandel, aber näher als in seinen Berichten kommt man dem Stand des Wissens nicht. Dafür bekam der IPCC 2007 den Friedensnobelpreis, seine Stimme wird weltweit von Regierungen gehört. Und längst ist IPCC kein kryptisches Kürzel mehr.

Wenn sich ab Samstag Hunderte Forscher aus der ganzen Welt im kolumbianischen Medellín treffen, haben sie ein ähnliches Ziel, aber noch einen weiten Weg vor sich. Dabei ist ihr Anliegen nicht weniger dringend: Es geht um den Erhalt der biologischen Vielfalt. Nicht nur einzelne Arten und ihre genetischen Variationen sind bedroht, sondern ganze Lebensräume. Kurz gesagt: Es geht um das Gesicht unserer belebten Erde, also um ziemlich viel.

Der Forscherrat für die biologische Vielfalt nennt sich Intergovernmental Panel on Biodiversity and Ecosystem Services, abgekürzt IPBES – noch längst ist dieses Kürzel nicht so geläufig wie IPCC. Bekanntlich zählt aber, was hinten rauskommt, und das werden in diesem Jahr gleich fünf Gutachten sein. Eines zur Verschlechterung von Böden, dazu vier Einschätzungen, wie es um die Biodiversität und um Ökosystemleistungen wie Bestäubung, das Filtern von Trinkwasser oder den Schutz von Küsten in einzelnen Weltregionen bestellt ist. Wie viele Tausende von Stunden (häufig nicht bezahlter) Arbeit darin stecken, lässt sich kaum schätzen. Denn die Vorgehensweise ist vielschichtig, es sind ganz verschiedene Akteure beteiligt, die alle ihre Meinungen sagen dürfen und sollen.

Das ist zeitraubend. Gleichzeitig jedoch ist es das beste Instrument, um Wissen über derart komplexe Probleme wie den Klimawandel oder eben den Verlust von biologischer Vielfalt zusammenzutragen und zu bewerten. Ohne ein solches Gremium würden die Erkenntnisse von Forschern nicht zu den Politikern gelangen, die Entscheidungen treffen.

Während Populisten das Gefühl zur Maxime der Politik machen und verschiedene Gesellschaftsgruppen offenbar verschiedene Realitäten erleben, steuern IPCC und IPBES dagegen: Sie schaffen durch ihre transparenten und ausführlichen Analysen eine gemeinsame Wirklichkeit. Genau die braucht es, um gemeinsam zu handeln.