DIE ZEIT: In den letzten Wochen hat die SPD einen neuen Bürgermeister gesucht. Die ersten beiden Anwärter haben wegen ihrer Familie und ihrer Kinder verzichtet. Könnt ihr das verstehen?

Marie: Na klar! Es hat keinen Sinn, nur zu arbeiten und nichts von der Familie zu haben. Ist doch furchtbar, wenn die Kinder traurig sind und fragen: Wann kommt Papa endlich nach Hause? Ich will mit ihm spielen.

Frida: Und bei der Frau Leonhard ist es doch so, dass das Kind noch sehr jung ist.

ZEIT: Genau, drei Jahre ist ihr Sohn alt.

Frida: Da verstehe ich es noch mehr. Wenn die Kinder 16 sind, können sie für sich selbst sorgen. Ein Dreijähriger braucht beide Elternteile.

Anton: Ich finde es auch gut, dass sie wegen ihrer Kinder verzichten. Aber ich frage mich, ob man nicht eine Regelung finden kann, dass beides zusammen geht: Beruf und Familie.

ZEIT: Wie könnte eine Regelung aussehen?

Marie: Man könnte zum Beispiel sagen: Um 16 Uhr geht der Bürgermeister nach Hause, kümmert sich um das Kind, und dann arbeitet er abends weiter, wenn das Kind im Bett ist.

Salka: 16 Uhr ist vielleicht ein bisschen zu früh, aber er sollte das Kind wenigstens noch sehen können, bevor es schlafen geht.

Frida: Ich habe noch eine Idee: In der Zeit, in der der Bürgermeister sich um sein Kind kümmert, kann ja der Stellvertreter die Arbeit machen.

Lina: Genau, der hat sonst ja nicht so wichtige Sachen zu tun. Dann wären sie fast gleichberechtigt.

ZEIT: Machte es für euch einen Unterschied, ob euer Vater oder eure Mutter Bürgermeister wäre?

Lina: Ja, das finde ich schon. Die Mutter ist öfter zu Hause. Das wäre blöder, wenn sie einen Vollzeitjob machen würde und komplett weg wäre.

Frida: Es kommt drauf an, woran man sich gewöhnt hat.

Lina: Stimmt, wenn meine Mutter Bürgermeisterin wäre und mein Vater immer auf mich aufgepasst hätte, fände ich es schlimmer, wenn er nicht da wäre.

Salka: Ich glaube, dass die meisten von uns es schlimmer fänden, wenn die Mutter plötzlich ganz viel weg wäre. Die sehen wir viel öfter.

Salka: Bei richtig kleinen Kindern ist der Unterschied am größten. Da ist die Mutter die Bezugsperson, zu der haben Babys die stärkste Bindung.

Marie: Ich habe als kleines Kind viel Zeit mit meiner Mutter und meinem Vater verbracht. Jetzt ist mein Vater häufiger weg. Das finde ich nicht so schlimm.