Kinder überall in der Welt lesen die Geschichten der Katzen-Clans, doch wenn Cherith Baldry in den Supermarkt geht, wird sie nicht erkannt. Die Autorin lebt in einem kleinen Dorf in der Nähe von London, wo sie seit gut 15 Jahren "Warrior-Cats"-Abenteuer schreibt und viel Zeit damit verbringt, ihre eigenen Katzen zu kraulen. Dabei mussten wir leider stören, als wir sie für dieses Interview angerufen haben.

DIE ZEIT: Wo erwischen wir Sie gerade?

Cherith Baldry: Ich sitze bei mir zu Hause und habe eine Katze auf dem Schoß.

ZEIT: Hoffentlich ist es keine wilde wie in den Warrior-Cats-Büchern ...

Baldry: Nein, meistens sind meine beiden Katzen friedlich. Bei uns wird viel geschmust und das Fell gekrault. Außerdem ist Bramble, der gerade auf meinem Schoß sitzt, schon ziemlich alt, 16 Jahre. Ihn habe ich bekommen, als ich zum ersten Mal ein Warrior-Cats-Buch schrieb – Band drei der ersten Staffel.

ZEIT: Er begleitet Sie so lange wie die Bücher?

Baldry: Genau, und das war anfangs ganz schön seltsam. Denn das kleine, süße Kätzchen sah aus wie Tigerkralle, der später Anführer des Schattenclans wird. Und der ist ja ziemlich fies. Wegen der Ähnlichkeit kam ich auf die Idee, Tigerkralle einen Sohn an die Seite zu stellen, der ihm zwar ähnlich sieht, aber vom Wesen her anders ist. Der Kater im Buch heißt sogar nach meinem Haustier: Brombeerstern.

ZEIT: Beeinflussen die Katzen Ihre Arbeit noch auf andere Weise?

Baldry: Sie stören gern, wenn ich am Schreibtisch sitze (lacht). Bramble kommt meistens nur und setzt sich auf meinen Schoß. Aber die andere, Tansy, versucht, mit den Tatzen auf die Tastatur zu schlagen, oder sie läuft gleich drüber. Aber wenn ich gerade nicht schreibe, sind die Tiere eine große Hilfe: Ich sehe sie ja die ganze Zeit, beobachte, wie sie sich bewegen und miteinander balgen. Das fließt in die Texte ein.

ZEIT: Auf den Büchern steht der Name Erin Hunter, dahinter steckt ein ganzes Team. Erklären Sie uns, wie die Geschichten entstehen!

Baldry: Die Warrior Cats werden von drei Frauen gemacht – eine entwickelt die Ideen, zwei andere schreiben die Geschichten. Erfunden wurden die Warrior Cats von Victoria Holmes, sie überlegte sich auch die Handlung jedes Buchs. Wir nennen das plotten. Geschrieben werden die Geschichten dann von Kate, der anderen Autorin, und mir. Vicky hatte die Kontrolle, aber wir durften mitreden. Inzwischen entwickelt jemand anders die Ideen für die Bücher. Wenn die Handlung steht, können Kate und ich Anmerkungen machen, und dann legen wir los.

ZEIT: Schreiben Sie auch gemeinsam?

Baldry: Nein, Kate und ich arbeiten nie zusammen. Jede von uns schreibt immer ein ganzes Buch. Wenn wir fertig sind, wird der Text überarbeitet. Es gibt zwar keine Erin Hunter, aber es gibt einen Erin-Hunter-Stil.

ZEIT: Wie viele Bücher schreiben Sie pro Jahr?

Baldry: Zwei bis drei, an einem arbeite ich etwa zwei Monate. Ich habe auch schon mal eins in der halben Zeit geschafft, aber das war echt stressig.