1 ... für die Unternehmen?

Zwei Gegner wetteifern jahrelang erbittert miteinander. Sie missgönnen dem anderen jeden Erfolg und jubeln über dessen Niederlagen. Bis sie eines Tages plötzlich beide in Schwierigkeiten stecken. Und schließlich einsehen, dass sie stärker sind, wenn sie nicht gegeneinander kämpfen – sondern gemeinsam.

Was klingt wie die Moral aus einer Gutenachtgeschichte für Kleinkinder, beschreibt ziemlich genau die Situation, in der die Energiekonzerne RWE und E.on derzeit stecken.

Die beiden Konzerne waren bislang Konkurrenten. Sie standen an der Spitze der vier größten Stromanbieter in Deutschland und kämpften um Kunden, Kraftwerke und Stromnetze hierzulande sowie in ganz Europa. Aber das soll sich jetzt ändern.

Am vergangenen Wochenende unterschrieben RWE-Chef Rolf Martin Schmitz und E.on-Chef Johannes Teyssen einen Vertrag, mit dem die beiden Konzerne Frieden schließen wollen. Auf mehreren Hundert Seiten machten sie unter anderem ab, dass E.on die RWE-Tochterfirma Innogy übernehmen soll. RWE bekommt dafür knapp 16,7 Prozent der Anteile von E.on und auch die Anlagen für erneuerbare Energien. Nun müssen die Aufsichtsräte und die Kartellbehörden zustimmen, dann steht der Deal, bei dem es um 20 Milliarden Euro gehen soll.

Hinter dem Aktiengeschacher steckt aber auch ein Tauschgeschäft, das aus alten Rivalen plötzlich Verbündete machen soll. Denn die Konzerne teilen nicht nur ihre Firmenanteile unter sich auf, sondern auch ihre Aufgabenbereiche: RWE will in Zukunft nur noch Strom erzeugen. E.on will nur noch Strom verkaufen und zu den Kunden bringen.

Die beiden schließen nicht ganz freiwillig Frieden. Denn während sich E.on und RWE jahrzehntelang darum stritten, wer von beiden mehr Profit macht, änderten sich die Bedingungen, unter denen sie das taten. Mit der Energiewende kamen neue Anbieter und damit mehr Konkurrenten auf den Strommarkt. Die Geschäfte liefen auf einmal für beide schlechter. Die Verluste stiegen in die Milliardenhöhe.

Indem sie sich ihre Arbeit nun aufteilen, wollen die Konzerne Kosten sparen und neue Gewinne machen. Sehr wahrscheinlich klappt das auch. Zum einen weil Bereiche, die es bisher in den drei Unternehmen gab, nur noch einmal benötigt werden. Zum anderen weil sie am Markt besser aufgestellt wären. E.on würde mit einem Schlag zu einem Netzgiganten, der 45 Millionen Kunden mit Strom beliefert. Der Konzern RWE, der in den vergangenen Jahren fast nur Atom‑, Kohle- und Gaskraftwerke betrieben hat, würde sein Geschäft unter anderem auf Windparks ausweiten. So würde er zu einem der größten Ökostromanbieter Deutschlands. Und vor allem: Die beiden Rivalen kämen sich nicht mehr in die Quere.