Es ist schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz die Kosmetikindustrie die große Natürlichkeit predigt. Überall kostbare Essenzen, wertvolle Ingredienzien und Beauty-Essentials für den natürlichen Teint, bei denen nur die wertvollsten Inhaltsstoffe verwendet werden, die die Natur den Menschen schenken kann.

Und dann kommen sie mit Gesichtsbürsten. Gesichtsbürsten erinnern an diese Dinger, mit denen Sie in der Küche bislang den Dreck von den Kartoffeln geschrubbt haben. Mit dem Unterschied, dass diese Bürsten Anti Blemish, Deep Pore, VisaPure oder so ähnlich heißen und locker das Zwanzigfache kosten. Dafür sind sie auf Gesichtshauttypen abgestimmt, was mich im Umkehrschluss zu der Frage veranlasst hat, warum ich jemals glauben konnte, in der Küche mit nur einer Gemüsebürste auskommen zu können. Wenn ich mal richtig Geld verdienen will, werde ich zunächst unterschiedlichste Bürsten für die gängigsten 100 Kartoffelsorten verkaufen und mir danach Pilze, Zucchini und Mohrrüben vornehmen. Anschließend mache ich das Gleiche noch einmal von vorn – dann aber elektrisch.

Denn natürlich funktionieren die vielen teuren Gesichtsbürsten nicht ohne die (noch viel teureren) Geräte, die sie antreiben. Was die Elektrifizierung angeht, ist die Beautybranche der Automobilindustrie jedenfalls weit voraus. Elektrische Zahnbürsten stehen neben Akku-Rasierern, -Reinigern, -Eincremern und -Massagegeräten für die verschiedensten Gesichtspartien. Das Badezimmer wird zum MediaMarkt. Wer hier neben Wanne und Dusche nicht über ein halbes Dutzend Steckdosen verfügt, hat klar am Bedarf vorbeigeplant. Am Bedarf der Industrie, wohlgemerkt.

Doch sollte man es mit der Natürlichkeit wirklich ernst meinen, mit der Vermeidung von künftigem Elektroschrott und der Reduzierung des Stromverbrauchs, dann könnte man ja auch die Anschaffung eines Waschlappens erwägen.