Trump verhöhnt den "kleinen Raketenmann", Kim feuert zurück mit "durchgeknallter Tattergreis". Trump: "Mein Atomknopf ist viel größer als seiner." Jetzt wollen die beiden ihre Show auf den Gipfel verlegen. Beim Gridiron-Dinner, wo Präsidenten alljährlich als Stand-up-Comics zu glänzen haben, platzierte Trump zwischen den Gags eine Botschaft: "Die Nordkoreaner haben angerufen: Wir wollen reden. Ich: Wir auch, aber ihr müsst entnuklearisieren (de-nuke)."

Diesen Verzichtschwur wird Kim nicht leisten. Er wird nicht weggeben, woran nun schon die dritte Kim-Generation arbeitet, was ihr eine weltweite Bühne und Schmiergeld (Öl, Nahrungsmittel) verschafft hat. Überhaupt werden Gipfel überschätzt, wie die vielen geplatzten zeigen.

Die vier Siegermächte sollten 1955 in Genf über die Wiedervereinigung reden. Stattdessen entfachte Chruschtschow die Berlinkrise, die auch die nächsten Gipfel (1959, 1960) nicht lösen konnten. Der junge Kennedy wollte den Kremlchef 1962 in Wien kennenlernen. Die freundliche Geste geriet zum Desaster.

Vielleicht lag’s am Essen, dem "schlechtesten", so die Wiener Präsidialkanzlei, "das je bei einem Empfang serviert wurde". JFK über Chruschtschow: "Er hat mich fertiggemacht", es war "das Schlimmste in meinem ganzen Leben". Er habe ständig von "Krieg" gefaselt. Kennedy konterte mit massiver Aufrüstung. Zwei Monate später kam die Berliner Mauer, 1962 provozierte Chruschtschow mit der Kubakrise fast den Atomkrieg.

Spontane Dates führen nie zur festen Bindung. Produktive Gipfel werden in monate-, jahrelangen Verhandlungen vorbereitet – so all die US-sowjetischen Begegnungen, die in den Siebzigern die atomare Rüstungskontrolle besiegelten.

Der größte Durchbruch war die Verschrottung der europäischen Mittelstreckenwaffen. Dieser Vertrag wurde 1987 feierlich unterzeichnet. Nur mussten sich Gorbatschow und Reagan auf zwei Vor-Gipfeln treffen: 1985 in Genf und 1986 in Reykjavík. Das Rendezvous in Reykjavík hat uralte Knoten gelöst, aber nicht mit Simsalabim. Reagans Außenminister George Shultz: "Obwohl der Vorlauf kurz war, gingen die Vorbereitungen sehr weit zurück. Alles, was wir auf den Tisch legen wollten, war jahrelang debattiert worden."

Gleiches galt für die wundersame Begegnung Nixon-Mao 1972 mitten im Vietnamkrieg, welche die ideologisch aufgeheizte Feindschaft beendete. Nixons Reise nach Peking sah spontan aus; beim Abflug konnte er nicht einmal auf ein Treffen mit Mao zählen. In Wahrheit hatten die Geheimgespräche fast ein Jahr gedauert.

Trumps drei Vorgänger haben das Vis-à-vis mit den Kims strikt verweigert, weil sie das wirkliche Ziel kannten: den Propagandasieg, die weltweite Aufwertung durch Amerika. Kims Köder ist wohlfeil: vorläufig keine Raketentests und kein Tobsuchtsanfall, wenn die USA und Südkorea ihre geplanten Manöver abhalten. Aber "de-nuke", wie Trump es flapsig fordert? Damit würde Kim ein Macht- und Erpressungspotenzial verschleudern, das ihm einen Sitz im Club der Großen verheißt.

Trump wähnt, er müsse sich nicht an die Regeln des diplomatischen Geschäfts halten. Seine Vorgänger haben es richtig gemacht: Erst die Gehilfen ausloten lassen, was der Gegner will und bezahlen kann, dann der Fototermin. Trump mag die Bühne wichtiger sein als ein haltbarer Deal.