... mit der SPD

Die SPD als politische Kraft im Zentrum einer florierenden Großstadt, geeint durch einen populären Bürgermeister, verbündet mit einem grünen Partner, der die Regierungsmehrheit im liberalen Bürgertum absichert – so muss man sich die Wirklichkeitsdeutung der Hamburger Sozialdemokraten Anfang vergangener Woche wohl vorstellen. Lange her.

Es muss etwas schief gewesen sein an diesem Bild, sonst hätten zwei scheinbar triviale Vorgänge es nicht zurechtgerückt.

Peter Tschentscher, der Finanzsenator und designierte Nachfolger von Olaf Scholz, wäre ein plausibler Chef im Rathaus – hätten sich die Sozialdemokraten rechtzeitig verständigt. Nun eilt dem kommenden Bürgermeister der Ruf voraus, er sei nur dritte Wahl, nachdem Fraktionschef Andreas Dressel und Sozialsenatorin Melanie Leonhard abgewinkt hatten.

Die Meinungsumfrage der ZEIT, in der die SPD von knapp 46 Prozent in der Wahl vor drei Jahren auf nur 28 Prozent schrumpft, ist nur eine Momentaufnahme. Dennoch verändert sie die Stimmung in der Stadt. Ein Machtwechsel 2020 erscheint plötzlich plausibler als zuvor.

Dass dies allein der schwierigen Berliner Regierungsbildung zu verdanken sei, wie die Hamburger Sozialdemokraten sofort versicherten, sollte niemand glauben: Die rheinland-pfälzische SPD von Regierungschefin Malu Dreyer ist einer fast zeitgleich erschienenen Umfrage zufolge so beliebt wie eh und je.

Besonders heikel für die Hamburger SPD ist, dass ihre Anhängerschaft auf beiden Seiten wegbricht. Viele Bürger sind offenbar durch den G20-Gipfel verärgert, nur auf unterschiedliche Weise: Im konservativen Lager nimmt man der Regierung die Krawalle übel, links der Mitte eher die Ausrichtung der Konferenz und die hässlichen Seiten der Polizeieinsätze. Eine simple Kurskorrektur nach rechts oder links hilft da kaum.

Nun zieht die SPD mit einem Kandidaten, den sie schon vor seiner Einführung ins Amt des Bürgermeisters beschädigt hat, einem Wahlkampf entgegen, der plötzlich schwieriger erscheint als lange gedacht.