Das Paradies lagert in weißen Schränken am Ballindamm: Hunderte Akten mit Fotos von Traumstränden, Karten und Grundbucheinträgen hat Inselmakler Farhad Vladi in 47 Jahren zusammengetragen. Der 73-Jährige vermittelt Privatinseln von den Fidschis bis nach Neuschottland.

DIE ZEIT: Herr Vladi, welche Eigenschaften braucht man als Inselverkäufer?

Farhad Vladi: Mit Sicherheit Geduld.

ZEIT: Warum?

Vladi: Wohnungen braucht man, meist dringend. Eine Insel nicht. Eine Eigentumswohnung in Hamburg ist zack, zack verkauft, im Inselgeschäft dauert die Entscheidung länger – wegen der Distanzen, der Urlaubszeiten, des Arrangements.

ZEIT: Herrscht denn auch ein Inselmangel?

Vladi: Ich kann Inseln zumindest nicht erschaffen oder sie mir nach Kriterien aussuchen wie bei der Suche nach einer Wohnung. Ich muss warten, bis eine gute Insel auf den Markt kommt.

ZEIT: Was ist eine gute Insel?

Vladi: Sie muss bewohnbar sein, als Privatinsel nutzbar und einen bestimmten Lifestyle bieten. Es gibt für gute Inseln nur drei Gründe, warum sie verkauft werden: Scheidung, Schulden oder Tod.

ZEIT: Es kommt nicht vor, dass ein Kunde unzufrieden ist mit seiner Insel und sie loswerden will?

Vladi: Selten. Sobald man ein Haus auf einer Insel gebaut hat, die Kinder den Tieren auf der Insel Namen gegeben oder Bäume gepflanzt haben, fällt es schwer, sich zu trennen.

ZEIT: Gibt es überhaupt genug Inseln, die zum Verkauf stehen?

Vladi: Weil die Leute nicht verkaufen, sinkt das Angebot. Und die Nachfrage wird größer. Heute kann ich Inseln schneller erreichen. Durch Solarenergie, Windgeneratoren, Fertighäuser ist es einfacher, das Leben dort komfortabler zu machen. Die Preise haben sich rasant entwickelt.

ZEIT: Sie machen seit 47 Jahren ein Geschäft mit der Sehnsucht. Wann merkten Sie, dass sich damit Geld verdienen lässt?

Vladi: Ich wollte als Student selbst eine Insel kaufen. Ich glaubte, ich bekäme eine für 5.000 D-Mark. Also fuhr ich mit meinem klapprigen VW nach London zum Konsulat der Seychellen, um nach Inseln zu fragen. Dann inserierte ich in der Seychellen-Zeitung eine ganzseitige Anzeige für 50 Mark: "Vladi sucht Insel". Ein Anwalt schickte mir das Angebot für eine traumhafte Insel, Cousine Island, aber der Kaufpreis von 300.000 US-Dollar war jenseits meines Budgets. Ich entschied mich, sie jemand anderem anzubieten.