Wie sehr unsere Familie im Alltag dem Klima schadet, wissen wir inzwischen ziemlich genau. Das liegt an Franziska. Unsere Tochter kam eines Tages von der Schule nach Hause, setzte sich vor den Computer und guckte keine Pferdevideos, wie sonst so gern. Sie suchte nach einem Klimarechner. Ihre Hausaufgabe war, ihren ökologischen Fußabdruck kennenzulernen, also herauszufinden, ob sich ihr Verhalten auf den Rest der Welt auswirkt. Und wenn ja, wie.

Wir sind die Guten. Dachten wir bis dahin. Wir kauften für unsere vierköpfige Familie plus zwei Kaninchen regelmäßig im Ökosupermarkt ein oder wenigstens die Biogurke beim Discounter und brachten fast immer die Einkaufsbeutel mit. Wir verspritzten im Garten kein Gift, recycelten den Müll, jedenfalls wenn man der Aufschrift auf der Abfalltonne glauben darf. Und wir flogen längst nicht in allen Schulferien in den sonnigen Süden, was, wenn wir ehrlich waren, auch am Geldbeutel lag. Also fühlten wir uns grün, jedenfalls einigermaßen.

Doch dann füllte Franziska im Netz den Fragebogen der Umweltorganisation WWF aus. Danach ist unsere Familie, so das Ergebnis in aller Kürze, durch unsere Art, einzukaufen, zu heizen und zu reisen, für 42 Tonnen CO₂ im Jahr verantwortlich (10,5 Tonnen pro Person). So viel Treibhausgas entsteht etwa, wenn man mit einem Auto dreimal um die Welt fährt. Am Äquator.

Wir ahnten das damals noch nicht. Wir fanden die Zahl zwar hoch, aber sie sagte uns in Wahrheit wenig. Für einen kurzen Moment machte sie uns sogar froh. Denn als Franziska am nächsten Tag aus der Schule kam, berichtete sie fröhlich, dass die Bilanz vieler Freunde noch höher gelegen hätte. Doch dann wollte sie es wirklich wissen. Wie viel Treibhausgas wäre in Ordnung?

Es brauchte nur eine kurze Recherche, um auf diese Zahl zu kommen. Nicht mehr als zwei Tonnen! Nur so viel wäre laut Weltklimarat gut, pro Mensch und pro Jahr, wenn die Temperatur nicht auf mehr als zwei Grad steigen soll und jeder auf der Welt das gleiche Recht auf Verschmutzung hat – eine Idee, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vertritt. Zwei Tonnen, pro Person und Jahr, und das nur bis 2050 – für uns bedeutete das: Wir lagen jährlich um 34 Tonnen CO₂ zu hoch. Und damit war unser Projekt geboren: privates Klima-Fasten.

Ein Jahr lang haben wir ausprobiert, was geht – ohne aus der Zivilisation auszusteigen.

An einem Mittwochmorgen im Januar steht deswegen Karl-Heinz Dubrow vor der Tür, unser Energieberater. Bei der Berliner Verbraucherzentrale kann man Leute wie ihn buchen, die dabei helfen, Energie im Haus zu sparen. Das Ganze kostet 20 Euro. Dubrow hilft bei der ersten heimischen Bestandsaufnahme. Er inspiziert das Einfamilienhaus vom Keller bis zum Dachboden, dabei holt er immer wieder eine Art Pistole aus der Tasche und richtet sie auf Wände und Fenster. Sie misst die Temperatur, und damit ist die erste Diagnose klar: Es zieht durch die Holzfenster. Wir ahnten das schon, aber erst die Auskunft, dass es am Fensterbrett gerade mal 13 Grad warm ist, trotz Heizung, macht uns das Ausmaß der Energieverschwendung klar.

Herr Dubrow findet noch andere Quellen, den alten Kühlschrank im Keller, der mit Weinflaschen gefüllt weiterläuft, obwohl in der Küche ein moderner steht. Die Glühbirnen, die alte Heizpumpe. All das kam uns bisher wie Peanuts vor, doch es summiert sich zu einer langen Liste an Einsparmöglichkeiten – und zwar nicht nur von Energie und damit Treibhausgasen. Herr Dubrow sagt: "Hier geht es um Euros!"