Egon Schiele: Damenbildnis © Courtesy Heidi Horten Collection

Dem Museum hat es die Sprache verschlagen, anders lässt sich der Titel seiner Ausstellung kaum erklären. WOW! heißt eine Schau im Wiener Leopold Museum. Auch der begleitende Katalog spart nicht an ähnlich inhaltsfreien Superlativen: Von "unvergleichlichen Meisterwerken" ist ebenso die Rede wie von der "allgemeingültigen Relevanz" dieser Kunst.

Worum geht es? Die Sammlung der Milliardärin Heidi Horten – "eine der beeindruckendsten europäischen Privatsammlungen" nennt sie das Museum – wird zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Der Transport der Arbeiten, ihre Versicherung, Führungen durch die Ausstellung, ein kostenloser Eintritt ins Museum einmal wöchentlich – alles finanziert von Österreichs reichster Frau, die ihre Schätze vom Wörthersee endlich einem breiten Publikum zugänglich machen will. Zu sammeln begonnen hat sie in den siebziger Jahren, damals noch gemeinsam mit ihrem Mann Helmut Horten und einem Fokus auf deutschen Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein oder August Macke. 1987 starb "Kaufhaus-König" Horten. Seine Witwe setzte einen neuen Akzent: Die Ankäufe wurden internationaler, die Kunstströmungen jünger. Ergebnis ist eine, verspricht das Museum, "in ihrer Qualität und Dichte einzigartige Kollektion".

So viel Jubel weckt Aufmerksamkeit, und die Nonstop-PR-Nebelmaschine des Museums steigert noch einmal die Erwartungen. Tatsächlich ist viel Hochkarätiges zu sehen. 170 Werke versammelt WOW! , darunter solche von Paul Klee, Yves Klein, Andy Warhol, Francis Bacon, Egon Schiele, Gerhard Richter oder Damien Hirst. Die Namen lesen sich wie eine Checkliste aller seit Jahren am Markt hoch gehandelten (männlichen) Künstler.

Dass die Ausstellung trotzdem enttäuscht, liegt am mageren inhaltlichen Konzept. Es setzt, genau wie die Ankündigung, auf pure Überwältigung, statt schlüssig zu vermitteln, was Heidi Horten aus welchem Antrieb in der Vergangenheit gekauft hat. Private Erwerbungen folgen persönlichem Geschmack statt musealen Kriterien. Ein sensibles Porträt der Sammlung und mithin der Sammlerin wäre der Auftrag des Museums gewesen. Stattdessen verlässt es sich auf die Prominenz aller beteiligten Protagonisten. Und merkt nicht, dass der Lärm an den Rändern, diese Gier nach Aufmerksamkeit, die Leere in der Mitte erst recht betont.