Der Laden könnte eine Idee von Donald Trump sein: Made in America Store steht über dem Eingang. Das Geschäft bei Buffalo in der Nähe der Niagarafälle verspricht, nur Produkte zu verkaufen, die zu 100 Prozent in den USA gefertigt wurden. Sogar die Klebeetiketten auf der Verpackung müssen diese Bedingung einhalten. Es gibt Toilettenpapier, Geschirrtücher, Socken, Hundefutter, Kartoffelchips und jede Menge "Stars and Stripes". Was sich jedoch in keinem der Regale findet: ein Produkt mit einem Stecker. Keine Ware mit Elektronik, bestätigt der Store-Gründer Mark Andol. Sosehr er auch gesucht habe, "so was machen wir in den USA nicht mehr".

Damit will sich Präsident Trump nicht abfinden. Er will dafür sorgen, dass wieder mehr im eigenen Land hergestellt wird. Vergangene Woche belegte er nach Waschmaschinen und Solarzellen auch die Einfuhr von Stahl und Aluminium mit Strafzöllen. Die Maßnahme war in seinem engsten Beraterkreis höchst umstritten. Ökonomen wie der Nobelpreisträger Paul Krugman warnen vor einem zerstörerischen Handelskrieg. Die EU droht mit Vergeltung. Doch Trump beklagt, die USA seien jahrelang durch unfairen Handel attackiert und amerikanische Arbeiter verraten worden.

Die Frustration, die der Präsident beschreibt, kennt Andol, ein kompakter 51-Jähriger mit grau meliertem Haar, Schnauzer und kräftigem Händedruck. Sie ist der Grund, warum er den Made in America Store vor acht Jahren gegründet hat. Mit Einzelhandel hatte Andol zuvor nichts zu tun. Der Sohn griechischstämmiger Einwanderer hat ein eigenes Unternehmen aufgebaut, General Welding & Fabrication. Es verarbeitet Stahl, produziert auf Bestellung Autoanhänger, Hochregale oder stattet Pick-up-Trucks mit Schneepflugschaufeln aus.

Wärend der ersten Jahre lief das Geschäft gut, Andol expandierte. Ein Großabnehmer half ihm dabei. Der Kunde stellte eine Art Zaun her, der in den USA sehr beliebt ist, weil er zumindest aus der Ferne aussieht wie aus Holz. Tatsächlich sind Pfosten und Latten aus Plastik, Andols Firma lieferte die darunter verborgene Stahlkonstruktion. "Das war meine zuverlässigste Einnahmequelle", sagt Andol. Bis 2009. Da erklärte der Zaunhersteller, ein Konkurrent könne den Stahlunterbau billiger anbieten. Andol verlor den Auftrag. General Welding musste einen Großteil der 70 Mitarbeiter entlassen, darunter Andols eigenen Schwager. "Weihnachten in dem Jahr war nicht das glücklichste", sagt er.

Andol fand heraus, dass der billigere Rivale in China fertigen ließ. Seine Firma war Opfer von Outsourcing geworden. Es war ein Vorgang, der ihm nur zu vertraut war. Die Region um Buffalo war einst eines der großen Industriezentren Nordamerikas. Dafür sorgten die verkehrsgünstige Lage am Eriekanal sowie die enorme Wasserkraft der Niagarafälle, die früh zur Stromerzeugung genutzt wurde. Die billige Energie lockte Stahl- und Aluminiumhersteller an, die Autoindustrie folgte. Die Lackawanna Steel Company, gegründet 1840, gehörte mit Zehntausenden Arbeitern einst zu den führenden Stahlunternehmen des Landes. In den 1980er Jahren begann der Abstieg, nicht zuletzt durch billigen Stahl aus dem Ausland. Das letzte Werk am Standort Buffalo wurde 2008 geschlossen. Seit den fünfziger Jahren hat Buffalo die Hälfte seiner Bevölkerung verloren. Rund 30 Prozent der Bewohner leben offiziell in Armut.

Andols Vater war einst Stahlarbeiter. So lag die Frage nahe, die ihn nach dem Verlust seines Auftrags umtrieb: "Was produzieren wir eigentlich noch in den USA?" Die Frage führte den Unternehmer schließlich zu der Idee für den Made in America Store. Es war der Tiefpunkt der Rezession, und Andol traf einen Nerv. Zur Eröffnung des Ladens am 3. April 2010 kamen Hunderte von Menschen. Andol erhielt Anfragen von Fernsehsendern und eine Einladung ins Weiße Haus.

Der Besuch im Made in America Store ist mehr als ein Einkaufstrip, es ist eine patriotische Geste. Auf eine Wand ist die Verfassung gemalt, darüber prangt ein Seeadler, das Wappentier der USA. Die Angestellten tragen T-Shirts mit der Aufschrift: "Made in America, weil das Pendeln nach China zu weit ist". An diesem Samstag ehrt Andol einen Irak-Veteranen, der mit 21 Jahren bei einem Granatenangriff schwere Hirnverletzungen davontrug sowie den rechten Arm und das rechte Bein verlor. Ein Künstler, ebenfalls ein Veteran, fertigt mit der Kettensäge einen Schneeleoparden. Ein Countrysänger spielt wehmütige Lieder. Jennifer Marmion ist der Patriotismus zu dick aufgetragen. Die 35-Jährige arbeitet in der medizinischen Forschung in Buffalo. Sie sei selbst Kind von Immigranten und fürchte um das offene Amerika. Marmion findet trotzdem, dass die Leute in der Umgebung in dem Laden einkaufen sollten. "Wir müssen die lokalen Jobs unterstützen." Allerdings sei die Auswahl im Store recht begrenzt.