Was hat Marcus Hausser mit Volkswagen-Chef Matthias Müller gemeinsam? Einiges. Sport treibt er wie der Konzernlenker vor allem im Kraftraum, weil ihm "für Mannschaftssport die Zeit fehlt". Beide Manager pendeln zwischen verschiedenen Standorten und ihrer Heimat, und beide beschäftigen sich Tag und Nacht mit Dieselautos. Doch da beginnt schon der ganz entscheidende Unterschied.

Auf der einen Seite: Matthias Müller, 64, der im vergangenen Sommer nach dem Dieselgipfel in Berlin behauptete, dass sein Konzern die von ihm millionenfach manipulierten Diesel nicht umbauen könne. "Wir halten es im Grunde genommen für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen. Einmal des Aufwandes wegen, aber auch weil die Wirkung fragwürdig ist." Eine Aussage wie in Stein gemeißelt.

Auf der anderen Seite: Marcus Hausser, 45, der in einem Besprechungsraum in der Nähe des Frankfurter Flughafens sitzt und felsenfest behauptet: "Man kann Diesel im Nachhinein sauber machen, wenn man es denn will."

Haussers Firma rüstet bereits die roten Londoner Busse um

Hausser will es, denn er hofft auf das ganz große Geschäft. Er ist Vorstand der Baumot-Gruppe. Er freut sich immer, wenn man diesen Begriff französisch ausspricht, aber die Firma wie auch ihr Name stammen aus der deutschen Schweiz. "Baumot" steht für Baumaschinen und Motoren. Heute ist das Unternehmen auf Abgasnachbehandlung spezialisiert. Lange ging es da um Rußpartikelfilter für große Bagger oder Planierraupen, neuerdings häufen sich Anfragen von Busbetreibern. Gerade rüstet die Firma die Londoner Doppeldeckerbusse um, damit sie weniger Stickoxide ausstoßen, und vor wenigen Wochen gewann eine Unternehmenstochter namens Twintec eine Ausschreibung der Berliner Verkehrsbetriebe, mit ähnlichem Auftrag.

An die Umrüstung von kleinen Autos hatte Hausser bis zum September 2015 nie gedacht. Da saß er an einem Sonnabend bei seinen Eltern im Wohnzimmer im badischen Ettenheim am Rande des Schwarzwalds, die Sonne zeigte sich nur spärlich, und er warf einen Blick auf sein Smartphone. Schlagzeilen über einen möglichen Abgasbetrug bei VW häuften sich am Nachmittag, ein Kollege schrieb eine SMS: "Kann das wirklich sein?" Hausser, so erzählt er es heute, war geradezu geschockt: "Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen."

Dabei kannte er die Branche sehr gut. Er wusste genau, wie scharf US-Behörden auf Abgastricks reagieren. Nach dem Volkswirtschaftsstudium arbeitete Hausser zunächst für eine Unternehmensberatung. Dann aber wechselte er zu Daimler. Er baute in Detroit eine Abgastochter mit auf, die sich darum kümmerte, dass Busse und Lastwagen die dortigen Abgasvorschriften einhielten. Anfang 2008 kam er zurück, Daimler hatte den kleinen Ableger verkauft, und Hausser wollte nicht im Konzern bleiben. "Mich reizte es nicht, im Großkonzern zu arbeiten, da fehlt mir die eigene Gestaltungsfreiheit", sagt er. Stattdessen zog er nach Zürich und baute das Europageschäft für Baumot auf.

Fragt man ihn, was er an Zürich vermisst, fällt ihm nicht viel ein. Die Nähe zu Italien, die tolle Landschaft, das Wandern. Aber wenn er jetzt zurückblickt, denkt Hausser weniger an die Freizeit, sondern eher an die Arbeit. Er sei wie so viele ein "Berufsnomade".

Immerhin ist er Baumot nun schon lange treu. Das Unternehmen begann mit der Wartung von Motoren und war ein Pionier beim Einbau von Rußpartikelfiltern in Baumaschinen. Später dann ging es auch um Rußpartikelfilter für Dieselautos.