An vier Tagen in der Woche ließ sich Donald Trump bislang von CIA-Chef Mike Pompeo persönlich über die Sicherheitslage unterrichten. Jedes Mal verbrachten sie 30 bis 40 Minuten zusammen, Trump mochte den Mann mit seinen plastischen Vorträgen und den eingängigen Infografiken. Darauf wird der US-Präsident jetzt verzichten müssen, denn am vergangenen Dienstag erklärte Trump Pompeo per Tweet zum neuen amerikanischen Außenminister. Ihre erste gemeinsame Reise werden die beiden voraussichtlich schon Ende Mai antreten, wenn Trump plant, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu treffen.

Pompeo war es auch, der die Entscheidung Trumps, Kims Einladung anzunehmen, in den TV-Shows selbstbewusst erläuterte. Dabei war es ihm wichtig, ein Bild der Härte zu vermitteln. In den Verhandlungen werde es keinerlei Zugeständnisse an Nordkorea geben, sagt er.

Wer ist dieser Mike Pompeo? Und wie wird sich mit ihm die Außenpolitik Amerikas verändern? Pompeo verbindet zwei Karrieren miteinander, die Trump beeindrucken: Er ist ein Ex-Militär und zudem Geschäftsmann. Pompeo, Jahrgang 1963, ist Absolvent der Militärakademie West Point, die er als Bester seines Jahrgangs abgeschlossen hat, und er hat als Panzeroffizier in Europa gedient. Danach studierte er Jura in Harvard und gründete ein erfolgreiches Luftfahrt-Unternehmen. Im Jahr 2010 wurde er als Tea-Party-Kandidat für Kansas in den Kongress gewählt. Nur eines war Pompeo in seinem Leben noch nie, ein Diplomat. Auch das gefällt Trump.

In Bezug auf Nordkorea heißt das vor allem, weiterhin absolute Härte zu zeigen. Die These, dass Kim das Atomwaffenprogramm nur zum Selbstschutz aufgebaut habe, hält Pompeo für naiv. Ein enger Berater Pompeos sagt, der Noch-CIA-Chef halte es für wahrscheinlicher, dass Kims Ziel die Wiedervereinigung Koreas unter kommunistischer Herrschaft sei. Atomraketen, die Amerika treffen können, seien daher vielmehr als Drohung zu sehen, sich nicht einzumischen. Es handele sich um einen neuen kalten Krieg, den man nicht mit Gesprächen, sondern vor allem mit Stärke gewinnen müsse. Dass Kim nun ein Treffen und den Stopp weiterer Waffentests anbietet, sieht Pompeo als Beweis seiner Theorie: Die harten ökonomischen Sanktionen der Amerikaner hätten gewirkt.

Diese Härte-Theorie wendet Pompeo nicht nur auf Nordkorea an. Am Dienstag erklärte Trump, er sei in vielem mit dem bisherigen Außenminister Rex Tillerson nicht einer Meinung gewesen. Als Beispiel nannte er den Iran-Deal. "Ich wollte ihn zerreißen oder irgendetwas tun, er dachte, er sei okay. Mit Mike, Mike Pompeo – wir denken sehr ähnlich."

Auch Pompeo ist ein Gegner des Atomabkommens mit dem Iran. Bis zu dessen Unterzeichnung 2015 hatte er mit allen Mitteln daran gearbeitet, es zu verhindern. Er hielt Barack Obamas Hoffnung für gefährlich, den Iran, einen der größten Terrorsponsoren in der Region, durch internationale Verträge und Zugang zum globalen Markt besänftigen zu können. Mitte Mai muss Trump erneut entscheiden, ob er den Deal verlängert oder ob er die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wiederbelebt. Das Abkommen würde dadurch schwer beschädigt oder gar zerstört. Wenn noch gilt, was Pompeo als CIA-Chef getwittert hat, dann gibt es nicht viel Hoffnung für den Deal. Er freue sich, "den desaströsen Deal mit dem weltgrößten staatlichen Terrorsponsor" zurückzurollen, hatte er geschrieben.

Kritik am Iran-Deal ist in außenpolitischen Kreisen in Washington nicht selten. Es gibt dafür viele ernst zu nehmende Gründe. Aber Pompeo mischte seinem harten Kurs auch immer wieder antiislamische Töne bei. Den Kampf gegen Terrorismus beschreibt er als einen zwischen Christen und radikalen Muslimen, ganz so, wie es der Anti-Islam-Aktivist und Verschwörungstheoretiker James Gaffney tut, in dessen Radioshow Pompeo wiederholt aufgetreten ist. Für Gaffney ist der Islam keine Religion, sondern eine politische Ideologie, deren Ziel es ist, den Westen zu zerstören. Und da lauert die vielleicht größte Gefahr, die von Pompeo ausgeht: die Versuchung, den Hang des Präsidenten zu Verschwörungstheorien nicht abzuschwächen, sondern zu verstärken.

Doch es gibt auch Punkte, in denen sich Trump und Pompeo uneinig sind. Pompeo sieht Russland erheblich kritischer als Trump. Er hat ihn wiederholt vor Putin gewarnt. Dort, wo er es für nötig hielt, hat Pompeo Trump auch schon widersprochen. Im Gegensatz zum Präsidenten hat er das Urteil der Sicherheitsbehörden, wonach Russland versucht habe, die US-Wahl 2016 zu beeinflussen, nie infrage gestellt.