Peter wer? Das war wohl die am häufigsten gestellte Frage, seit am vergangenen Freitag bekannt wurde, dass Finanzsenator Peter Tschentscher die Nachfolge von Olaf Scholz als Bürgermeister antreten soll.

Im letzten Moment hatte der eigentlich als Nachfolger gesetzte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel abgelehnt. Die Belastungen des Amts, die vielen Auswärtstermine, die hohen Sicherheitsvorkehrungen, das vertrage sich nicht mit seinem Familienleben, verkündete Dressel seinen überraschten Parteigenossen. Zuvor hatte schon Sozialsenatorin Melanie Leonhard erklärt, sie stehe nicht zur Verfügung, der Job sei nicht damit vereinbar, dass sie zu Hause einen kleinen Sohn habe.

Am Freitagabend präsentierte Scholz dann die Lösung: Peter Tschentscher sei der richtige Mann, um das "ordentliche Regieren" in Hamburg fortzusetzen, sagte er. Tschentscher las seine ersten Worte als designierter Bürgermeister vom Blatt ab. Er wolle das "gute Regieren" fortsetzen, betonte er so nüchtern, dass er fast noch scholziger als Scholz wirkte.

Seither jubeln die Oppositionspolitiker in Hamburg: Mit diesem Kandidaten sei die Bürgerschaftswahl 2020 wieder offen, die SPD sei wieder schlagbar. Auch bei den Sozialdemokraten fragten manche, ob man mit ihm die nächste Wahl gewinnen könne. Kann Peter Tschentscher eine Landesregierung und einen Wahlkampf führen?

DIE ZEIT: Herr Tschentscher, sind Sie als Bürgermeister dritte Wahl?

Peter Tschentscher: Eindeutig nein. Wir haben von Anfang an über verschiedene Möglichkeiten nachgedacht, die Nachfolge von Olaf Scholz zu regeln. Am Ende haben wir das gemeinsam entschieden. Andreas Dressel und Melanie Leonhard wollten das Bürgermeisteramt aus persönlichen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht übernehmen. Ich bin dazu bereit.

ZEIT: Öffentlich diskutiert wurden die anderen Namen, nicht Ihrer. Nun sieht es so aus, als seien Sie der Ersatzmann. Ist dieser Start eine Bürde oder eine Chance?

Tschentscher: Für mich kommt es nicht auf die Deutung der Vergangenheit an, sondern auf die Zukunft. Mir ist jetzt wichtig, dass mich auch die Menschen kennenlernen, die mich vorher nicht kannten.

Peter Tschentscher wurde am 20. Januar 1966 in Bremen geboren, er wuchs als zweitältester von vier Brüdern in Oldenburg auf. Sein Vater war selbstständiger Holzhändler, die Mutter Schneidermeisterin. Dass es im Geschäftsleben mal besser, mal schlechter läuft, lernte er früh von seinem Vater. In seiner Jugend spielte Tschentscher Klavier, er übte jeden Tag bis zu zwei Stunden.