DIE ZEIT: Ist es wahr, dass Sie schon mit zwölf ein Gärtner waren?

Robin Lane Fox: Nein. Mit zehn.

ZEIT: Gärtnern mit zehn? Warum denn nicht Fußball?

Fox: Gütiger Gott. Fußball!

ZEIT: Was passierte, als Sie zehn waren?

Fox: Ich lebte in einem schönen Haus in der englischen Landschaft, ich war der Jüngste. Meine beiden Brüder waren außerordentlich athletisch, jeder betete sie an. Ich hatte eine Schwester, die eine exquisite Klavierspielerin war. Und dann war da ich. Was konnte ich bloß tun? Ich wurde aufs Internat geschickt, nach Eton, man kommt dann zum midterm nach Hause, und ich erinnere mich daran, total gelangweilt zu sein. Das sollten jetzt die Ferien sein? Also beschloss ich zu gärtnern.

ZEIT: Graben, harken und so?

Fox: Ich säte aus. Und ich vermehrte Pflanzen. Unser alter Gärtner zeigte mir, wie es ging. Mit zwölf war ich schon ernsthaft. Ich liebte alpine Pflanzen, weil sie so klein waren. Meine Mutter fuhr mit mir zu Raritätengärtnereien, und ich gab mein ganzes Taschengeld für Pflanzen aus. Ich bekam im Garten ein Eckchen und legte einen Steingarten an. Pflanzennamen waren kein Problem, ich hatte ja mit sieben Latein begonnen. In der Schule übersetzten wir Anzeigen aus der Times in lateinische Verse.

ZEIT: Erstaunlicherweise können in England selbst Nichtlateinschüler die kompliziertesten Namen auf Latein runterperlen. Einmal beäugte ich eine Pflanze in Sissinghurst Garden und fragte mich, was das wohl sei, da piepste neben mir eine winzige Lady im gehäkelten Jäckchen: "O, eine Nerine sarniensis, oder?"

Fox: Die alten Damen erinnern sich auch an alle Namen aller Boyfriends. Man würde sich natürlich wünschen, dass mehr Latein gelehrt würde, viel besser als dieses vollkommen nutzlose Zeug, das man den Kindern beibringt.

ZEIT: Wie funktioniert das Leben als Kind-Gärtner, wenn man im Internat ist?

Fox: Sehr gut. Ich säte meine Einjährigen im April aus und fuhr in die Schule, und wenn ich ein paar Wochen später zum half-term wieder da war, konnte ich sie auspflanzen, und schon hatte ich mein erstes Staudenbeet!

ZEIT: Wie fanden die Leute das?

Fox: Meine Eltern waren sehr unterstützend. Es war die Art von Familie, wo man beim Essen über Gärten redet. Aber es waren auch die sechziger Jahre, in denen Flowerpower nicht unbedingt Blumen meinte.