Ein Gespenst geht um in Europa. Diesmal heißt es Steve Bannon. Der ehemalige Investmentbanker und Journalist war Donald Trumps Wahlkampfberater und bis zum vergangenen Sommer dessen Chefstratege im Weißen Haus. Dieser Tage tourt Bannon durch europäische Hauptstädte. Wen hat er bisher besucht, und was will er hier?

Die erste Station: Rom. Von seinem Zimmer im Luxushotel Raphael aus informiert sich Bannon über die Endphase des italienischen Wahlkampfs. Den Erfolg der Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung nennt er später einen "populistischen Sieg". Nächster Stopp: Castagnola, oberhalb von Lugano im schweizerischen Kanton Tessin gelegen. Dort hat Tito Tettamanti für den 5. März in seine Villa geladen. Tettamanti, 87-jährig, ist in der Schweiz bekannt als Finanzier, Verleger und ehemaliger Besitzer der rechtskonservativen Wochenzeitung Weltwoche (er war auch zeitweilig Kolumnist der ZEIT). Aus "Interesse und Neugier" habe er den Amerikaner eingeladen, sagt Tettamanti. Mehr verrät er nicht. Ob Bannon vorhabe, auch in Europa extrem rechte Nachrichtenportale zu installieren, ähnlich wie Breitbart News in den USA, dessen Chef Bannon war? Tettamanti sagt, darüber sei er "absolut nicht im Bild".

Nicht eingeladen war der heutige Chefredakteur der Weltwoche Roger Köppel. Den sieht Bannon tags darauf, als Redner auf einer Veranstaltung des Blatts. Die Tickets dafür waren schon Wochen zuvor ausverkauft.

Bis zum Jahr 2012 wurden in der Halle 622 im Zürcher Stadtteil Oerlikon Hochspannungsanlagen hergestellt, heute beherbergt sie Großveranstaltungen. Pünktlich um 20 Uhr dröhnt es im Saal aus den Boxen: "Willkommen auf dem Gipfel der freien Rede". Köppel betritt die Bühne und kündigt einen "Rock ’n’ Roll der freien Rede" an.

Der Rocker ist Bannon. Er preist die "nationalistischen, populistischen" Bewegungen in Europa, die zwar von Land zu Land unterschiedlich seien, denen es aber überall darum gehe, "den Leuten die Jobs zurückzugeben". Sie hätten allesamt die gleichen drei Hauptgegner: die Zentralregierungen, die den Leuten die Staatsangehörigkeit kaputt machten, die Zentralbanken, die ihnen die Währung zerstörten, und die großen Technologiefirmen (Bannon nennt Facebook, Google und Amazon), die mithilfe ihrer Algorithmen die Menschen versklavten.

Der Amerikaner kündigt "eine neue Periode wie die 1930er Jahre" an, und zwar wegen des Aufstiegs Chinas. Daran sei die "globale Elite" mitschuldig. Der Westen müsse mit "Informationskrieg und Wirtschaftskrieg" antworten. Das klingt zunächst etwas erratisch. Doch zeichnet sich in Bannons Worten eine globale Strategie ab: Auch Europa benötige seine Trumps, um sich gegen den Feind im Osten zu wehren.

Bannon ist gekommen, um Europas radikale Rechte zu vernetzen. Anfänglich mit wenig Erfolg. Christoph Blocher, legendäre Figur der Schweizer Rechtskonservativen, ist der Veranstaltung in Zürich ferngeblieben. So wie auch mit dem Italiener Matteo Salvini, dem Chef der rechtsextremen Lega, kein Treffen zustande kam.

Dafür sind Alice Weidel und Beatrix von Storch nach Zürich gereist. Beide sitzen für die AfD im Bundestag und am Abend von Bannons Vortrag unter den 1400 Gästen in der Halle 622. Außerdem sprechen Weidel und Bannon in seiner Suite im Hotel Park Hyatt eineinhalb Stunden miteinander, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete.

Anfang Februar hatte die AfD-Fraktionschefin angekündigt, einen eigenen Newsroom aufzubauen. Von April an sollen 20 Mitarbeiter in Berlin Beiträge produzieren und in den sozialen Netzwerken verteilen, sie sollen Themen recherchieren und Videoclips drehen. Die AfD will Gegenöffentlichkeit herstellen. Wer wäre da ein besserer Gesprächspartner als der Mann, der im US-Wahlkampf mit Breitbart die Kandidatur Donald Trumps befeuerte? Weidel und Bannon haben sich darauf verständigt, keine Einzelheiten ihres Gesprächs publik zu machen.