In anderen Kulturkreisen würde die Frage wahrscheinlich für Kopfschütteln sorgen. Wir Deutschen haben den Ruf, dass wir vor einer dauerroten Ampel eher verhungern würden, als sie zu missachten. 14 Prozent der Bundesbürger sagen, dass sie lieber umkehren würden, als das Rotsignal zu ignorieren. Die Straßenverkehrsordnung sagt dazu nichts, aber Gerichte haben einigermaßen klar abgesteckt, wie lange man vor einer defekten Ampel warten muss.

Generell verstehen Verkehrsrichter bei Rotverstößen keinen Spaß. Das musste auch ein Bauer erfahren, der 1998 an zweiter Position vor einer Linksabbiegerampel stand. Seit drei Minuten stand die auf Rot. Von hinten hörte er Rufe, er solle doch endlich losfahren. Der Fahrer des Wagens vor ihm verlor die Geduld und fuhr über die rote Ampel; der Bauer entschloss sich, ebenfalls das Signal zu ignorieren. Kaum hatte er die Ampel überquert, sprang sie auf Grün. Offenbar war sie doch nicht kaputt. Pech für ihn, das Oberlandesgericht Hamm verurteilte ihn zu 100 Mark Strafe. Den Führerschein durfte er behalten.

Nach drei Minuten Rot darf man also noch nicht davon ausgehen, dass die Ampel kaputt ist. Auch nicht nach vier Minuten, entschied im vergangenen Jahr das Amtsgericht Dortmund. Da hatte ein Fahrer ebenfalls eine rote Linksabbiegerampel überfahren, nachdem die Geradeausspur schon mehrmals Grün bekommen hatte.

Fachleute legen die Latte heute auf fünf Minuten – so lange sollte man warten, bevor man losfährt. Wahrscheinlich kommt einem das eher vor wie zehn Minuten. Und selbst nach dieser Wartezeit hat man keine freie Fahrt, sondern sollte sich vorsichtig in die Kreuzung "vortasten". Denn hat der kreuzende Verkehr Grün und es kracht, trägt man die alleinige Schuld.

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