Natürlich kann alles in einer schrecklichen Blamage enden. Donald Trump scheint die Aussicht auf ein Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un ganz kirre zu machen. Er wird den ultimativen Deal nach Hause bringen. Alle seine Vorgänger haben in Korea versagt, er stiftet Frieden. Trumps Traum, zum Greifen nahe. Doch aus Pjöngjang bisher kein offizielles Wort. Rodong Sinmun, das Parteiblatt, schreibt stattdessen über die nun auch schon einige Jahre zurückliegende "US-Invasion" im Irak und warnt, die Vereinigten Staaten wollten "uns gegenüber ähnliche Taktiken anwenden".

Was ist da los? Entweder brauchen Nordkoreas Staatsmedien eine Weile, bis die Zensur die richtige Sprachregelung gefunden hat. Oder Kim Jong Un muss Widerstände in der Führung von Partei und Militär überwinden. Bis zum Redaktionsschluss der ZEIT am Dienstagabend jedenfalls schwiegen Nordkoreas Medien zum Gipfel.

Es war Chung Eui Yong, der Sicherheitsberater von Südkoreas Staatspräsident Moon Jae In, der am Montag vergangener Woche nach Pjöngjang reiste und dort von Kim persönlich zu hören bekam, dass der Trumps Angebot zum Gespräch annehme. Mit dieser Information im Gepäck reiste Chung gleich weiter, erst nach Seoul, dann nach Washington. Am frühen Donnerstagabend stand Chung in der Einfahrt des Weißen Hauses und informierte die Presse über die sensationelle Wende im Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten. Ein Treffen Chungs und seiner Delegation mit dem US-Präsidenten war eigentlich erst für Freitag geplant. Doch als Donald Trump hörte, die südkoreanischen Emissäre seien im Weißen Haus, ließ er sie umgehend zu sich ins Oval Office bitten.

Dann folgten 45 Minuten, die "die Geschichte ändern könnten", wie die New York Times schrieb. Alle wichtigen Präsidentenberater versammelten sich: Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister James Mattis, Geheimdienstkoordinator Dan Coats, Sicherheitsberater H. R. McMaster, der Stabschef des Weißen Hauses John Kelly und der oberste Militär im Pentagon, General Joseph F. Dunford.

Staunend hörten sie, wie ihr Präsident die Einladung Kim Jong Uns annahm, kaum dass die Südkoreaner sie ausgesprochen hatten. Kein Überlegen, kein Abwägen. So berauscht war Trump von der Aussicht auf einen Gipfel mit Kim, dass er anschließend seinen Kopf in den Presseraum des Weißen Hauses steckte und den Journalisten zurief, sie sollten sich auf große Neuigkeiten noch am selben Abend einstellen.

Seither wächst in Washington die Sorge, ein ahnungsloser, unvorbereiteter Präsident könne sich von Kim über den Tisch ziehen lassen. Seit gut einem Vierteljahrhundert versuchen die USA, Nordkoreas atomare Bewaffnung zu stoppen. Mehrmals schon schien das Regime in Pjöngjang einzulenken, um dann doch wieder umso entschlossener aufzurüsten.

Kein Vorgänger Trumps war bereit, sich mit Nordkoreas Machthabern zu treffen. Sie misstrauten der Führung und verabscheuten deren totalitäres System. Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama wussten, es würde für die Kim-Dynastie die höchste Form der Legitimierung bedeuten, neben einem amtierenden US-Präsidenten zu stehen. Deshalb galt: Wenn überhaupt, dann dürfte ein solches Treffen nur am Ende von Verhandlungen stehen, nicht an deren Beginn.