Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Wie immer im Leben kommt es auf die richtige Aura an. Good vibration nannte man das in den seligen Hippie-Jahren. Man sollte sich stets auf einer positiven Wellenlänge befinden, optimistische Schwingungen aussenden – das stimmte damals und stimmt heute. Beispielsweise, wenn es sich um den Bau eines großen Klinikums handelt. Es ist dem österreichischen Sanitätsrat nicht hoch genug anzurechnen, dass er anregte, sich bei der Errichtung des Wiener Krankenhauses Nord nicht alleine auf simple Konstruktionsdetails zu konzentrieren, sondern ebenso die übersinnliche Sphäre in die Planung mit einzubeziehen. Folglich wurde ein Esoterik-Experte engagiert, der kraft einschlägiger Beschwörungsformeln einen Schutzring um das künftige Spital legte. Einen Schwingungswall, an dem in Zukunft sogar multiresistente Bakterien abprallen werden. Diese gelungene Pioniertat einer homöopathischen Architektur wird gewiss noch Schule machen. Ein anderes Beispiel für das Phänomen geistiger Hygiene erregte unlängst großes Interesse. Es wurde nun endlich bestätigt, was man immer schon befürchten musste. Alkoholismus nimmt mit der Arbeitszeit zu. Will heißen, Vollzeitbeschäftigte sind öfter voll. Teilzeittrinker hingegen, so will es die Logik, sollten sich keinen Fulltimejob suchen. Die Gründe dafür sind darin zu suchen, dass man von dieser Droge eine Leistungssteigerung erwartet. Das überrascht kaum, denn Alkohol am Steuer führt bekanntlich zu fahrtechnischen Höchstleistungen. Auch weiß man, dass etwa bei Chirurgen die Alkoholaffinität relativ hoch ist – auch hinter einem Schwingungsschutzschirm. Und wer möchte an den Leistungen der Operateure zweifeln. Auch im künstlerischen Bereich hat sich erwiesen, dass Alkohol und Leistung untrennbar zusammenhängen. Ganz zu schweigen, welch enorme Leistungen durch Alkohol auf dem fundamentalen Gebiet der Fortpflanzung vollbracht wurden. Wie würde in Russland die Geburtenrate ohne Wodka aussehen? Leicht ins Trudeln gerät die Logik, wenn man in Betracht zieht, dass zahlreiche Kulturen ohne diese Droge auskommen. Ist also der streng gläubige Hindu kein Arbeitstier, weil er einfach das Falsche trinkt? Sind Antialkoholiker einfach nur Leistungsverweigerer? Oder der Abstinenzler, ein Sozialschmarotzer? Vielleicht hilft eine zweite Information weiter. Die Finnen gelten als das glücklichste Volk der Welt. Wie auch immer das festgestellt wurde, ist jetzt Nebensache. Aber von diesen Nordländern ist bekannt, dass sie unglaublich hohe Arbeitsnormen erbringen. Sonst ließe sich deren gewaltiger Alkoholkonsum nicht erklären. Es gilt also die einfache Formel: Arbeit mal Alkohol ist gleich Glück. Und nicht, wie hier bisher angenommen wurde: Alkohol ist Glück, und die Arbeit kann man einfach warten lassen.