Egal, ob es um Besteuerung geht, um Fake-News oder jetzt um die Veruntreuung der Daten von Abermillionen Nutzern: Stets ist die Rede von "Firmen wie Facebook". Das soziale Netzwerk wird mit Google, Apple und Co. gleichgesetzt. Doch diese Verallgemeinerung führt in die Irre. Es gibt keine Firmen wie Facebook, das soziale Netzwerk ist ein Unikat. Google ist im Wesentlichen eine Suchmaschine, mal in Gestalt einer Karte, mal in Form eines Suchfensters fürs Netz. Apple verkauft Digitalgeräte und Unterhaltung, und Amazon ist weiterhin vor allem ein Online-Kaufhaus.

Facebook unterscheidet sich von ihnen dadurch, dass das, was auf der Plattform geschieht, längst ein Teil des gesellschaftlichen Lebens ist. In vielen Ländern der Welt ist das Netzwerk ein zentraler öffentlicher Ort geworden. Dort entstehen soziale Beziehungen, Gemeinschaften, Räume zur Selbstdarstellung und zur Kommunikation. Dort wird Wahlkampf geführt, werden politische Bewegungen koordiniert, im Guten wie im Schlechten. Dort wird diskutiert und geliebt, gehasst und agitiert. So ist das Unternehmen auf einmalige Art mit dem Leben der Menschen verwoben.

Das bedeutet eine besondere Verantwortung, und oft wird Facebook ihr gerecht, wie die vielen Menschen zeigen, die sich dort entfalten. Sie fühlen sich aufgehoben, sonst würden sie sich abwenden.

Und doch gefährdet Facebook immer wieder den inneren Frieden – und damit das Online-Gemeinwesen selbst. Es riskiert durch Skandale seine eigene Zerstörung. Der vielleicht größte ist in den vergangenen Tagen durch den britischen Guardian und die New York Times öffentlich geworden.

Die Kette der Ereignisse reicht bis ins Jahr 2014 zurück. Aleksandr Kogan war damals ein junger, schillernder Psychologie-Dozent im britischen Cambridge, geboren in Moldawien, als Kind in Russland, dann in den USA aufgewachsen, mit engen Beziehungen zu einer Universität in St. Petersburg. Auf Facebook bot er eine App mit einem Psycho-Quiz an. 270.000 der zwei Milliarden Nutzer nahmen das Angebot an, sie rieten mit und stimmten zu, dass die App auch ihr sogenanntes öffentliches Profil auf Facebook, einige persönliche Daten also, kopiert.

Doch das war noch nicht alles. Die Nutzer gaben auch die Daten aller ihrer Freunde auf Facebook preis, sofern diese Freunde es nicht ausdrücklich verboten hatten. Ob es dadurch am Ende, wie von einigen Medien hochgerechnet, wirklich 50 Millionen Datensätze waren, die dem Quiz-Anbieter in die Hände fielen, ist unklar. Jedenfalls sind extrem viele Menschen betroffen.

Datensammler mussten zwar unterschreiben, dass sie die gewonnenen Daten nur für die Forschung und letztlich zur Verbesserung des Angebots für die Nutzer der Apps einsetzen. Doch Aleksandr Kogan hielt sich nicht daran und reichte die Daten weiter an die heute vielleicht umstrittenste Datenfirma der Welt, Cambridge Analytica. Ihr Motto lautet: "Daten beeinflussen alles, was wir tun!" Finanziell unterstützt wurde die Firma in ihren Anfängen von dem rechtsnationalen amerikanischen Hedgefonds-Milliardär und Trump-Unterstützer Robert Mercer.

Bei Facebook dachte man schon, die Sache sei aus der Welt geschafft

Als das soziale Netzwerk im Jahr 2015 Wind davon bekam, dass Kogan sich nicht an die Regeln gehalten hatte, ging Facebook nicht etwa an die Öffentlichkeit, sondern verlangte still und leise, dass die Daten gelöscht werden. Letzteres hätten sowohl Kogan wie auch Cambridge Analytica zugesagt, heißt es dazu heute hinter vorgehaltener Hand bei Facebook. Es soll auch eine rechtlich bindende Erklärung unterschrieben worden sein.

Damit war die Sache für den Konzern erledigt. Warum, das wird in Hintergrundgesprächen klar, Zitate mag das Unternehmen nicht freigeben. Demnach wollte Facebook die Sache möglichst schnell klären. Eine Klage zu führen hätte länger gedauert. Ferner glaubte man der Zusicherung, dass die Daten bei Cambridge Analytica noch nicht zum Einsatz gekommen seien.

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt