Der Katastrophen-Fußball des HSV ist für viele Menschen in dieser Stadt schwer zu ertragen: für die Fans natürlich, für die Mitarbeiter des Vereins, für die Bar- und Kneipenbesitzer, zu denen kaum mehr einer kommt. Doch es gibt auch Profiteure des Desasters. Zum Beispiel den FC St. Pauli. Während sich die halbe Stadt und das ganze Land über den behäbigen Dino lustig macht, kann der Kiez-Club seine Zweitliga-Saison in Ruhe zu Ende spielen. Dabei ist "spielen" nicht der richtige Ausdruck. So wie die Mannschaft auftritt, ist es eher ein Dahindümpeln oder ein Hinter-sich-Bringen. Denn was St. Pauli in den vergangenen Wochen gezeigt hat, ist einfach nur enttäuschend.

Das beste Beispiel: Das Match am vergangenen Samstag in Kaiserslautern. Der Gegner steht auf dem letzten Tabellenplatz, St. Pauli hätte sich mit einem Sieg von den Abstiegsplätzen entfernen können. Erst sah alles gut aus, die Mannschaft ging durch einen Elfmeter in Führung, der Gegner hatte nach einer roten Karte nur noch zehn Spieler auf dem Feld. Und was passiert? Sechs Minuten vor Schluss fällt der Ausgleich, und dabei bleibt es. Der FC St. Pauli rutscht auf den 11. Tabellenrang. Er steht im unteren Mittelfeld der Liga. Eine Platzierung, mit der niemand im Verein zufrieden sein kann.

Der Blick auf die obere Tabellenhälfte schmerzt. An der Spitze stehen Düsseldorf und Nürnberg, zwei Traditionsvereine, die eine starke Saison spielen. Da muss sich St. Pauli nicht grämen. Aber dann: Holstein Kiel und Jahn Regensburg auf 3 und 4. Zwei Aufsteiger so weit oben!

Für St. Pauli ist das besonders bitter, weil der Kampf um die oberen Plätze in der zweiten Liga lange nicht so offen war wie in dieser Spielzeit. Es gibt keinen hohen Favoriten. Es gibt keine Absteiger aus der Bundesliga, die dominieren. Im Gegenteil, Darmstadt liegt sogar auf dem vorletzten Platz.

Der Mannschaft vom Millerntor bringt das nichts. Sie hat die Chancen auf den Aufstieg frühzeitig vergeigt. In dieser Saison bleiben ihr nur noch zwei Aufgaben. Erstens: Sie muss in den nächsten Spielen aufpassen, dass sie nicht abrutscht und es unfreiwillig spannend wird. Zweitens muss sie versuchen, Schwung für die kommende Saison aufzunehmen.

Denn auch wenn die Fans ihrem Team viel verzeihen, auch wenn St. Pauli den Ruf kultiviert, nicht so ergebnisfixiert wie andere Profi-Vereine zu sein: Im Mittelfeld der zweiten Liga zu stagnieren wäre eine gefährliche Entwicklung. Zumal weil es in dieser Saison kaum berauschende, ekstatische, besondere Momente gab. Und weil es – im Gegensatz zum HSV – auch keine Jugendabteilung gibt, aus der Spieler in die erste Mannschaft drängen.

Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Fans des FC St. Pauli können sich wohl endlich wieder auf ein Derby freuen. Abgesehen davon aber kann ein Blick auf die Abstiegsränge in der Bundesliga niemanden, der es gut mit dem Verein meint, freuen. Mit dem HSV und dem 1. FC Köln wird es wohl zwei Mannschaften in der kommenden Saison geben, die alles daransetzen werden, direkt ins Oberhaus zurückzukehren. Und die es Vereinen wie dem FC St. Pauli noch schwerer machen werden, erfolgreich zu sein.