Pater Giacomo Costa weiß nicht genau, warum er zu einem der Organisatoren der Jugendsynode bestimmt wurde, er habe das nie erwartet. Nur einmal, im informellen Gespräch mit einem Ordensbruder im Synodensekretariat in Rom, habe er Zweifel geäußert an der Methode der Umfragen bei den Familiensynoden. Das waren große Reformaktionen des Papstes. Costa betont, seine Kritik sei rein soziologischer Natur gewesen: zu viele und zu offene Fragen, um die Antworten ordentlich auszuwerten. Und die römische Reaktion? Anstatt Kritik abzuwehren, wie es für eine mächtige Organisation typisch wäre, lud der Vatikan Costa zu weiteren Gesprächen ein. Am Ende wurde der Chefredakteur der Mailänder Zeitschrift "Soziale Erneuerung" gebeten, der Synode zu helfen – vom Papst. Das ist der neue Reformstil: zuhören, beraten lassen, Kritik umsetzen.

DIE ZEIT: Pater Costa, warum sind Fragebögen in Rom so wichtig?

Giacomo Costa: Weil Franziskus, wenn es um den Zustand der katholischen Kirche geht, an das Urteilsvermögen der Laien glaubt, nicht nur an das der Priester und Bischöfe. Ein Leitgedanke seiner Theologie lautet: Wirklicher Wandel beginnt in der Wirklichkeit. Nur dann erfasst er dein Innerstes, deinen Glauben. Nur dann kann sich auch unsere pastorale Arbeit wandeln. Wir müssen die Realität erforschen, denn sie ist wirkmächtiger als jede Idee.

ZEIT: Klingt wie: Das Sein bestimmt das Bewusstsein! Ist der argentinische Papst Kommunist?

Costa: (lacht) Keine Angst, er will nur den Auftrag der Kirche neu verstehen, deshalb bringt er die Kirchenleute auf Erneuerungskurs. Wir sollen uns neu orientieren. Das ist kein bloßes Experiment, sondern eine Sache auf Leben und Tod.

ZEIT: Ist das nicht etwas übertrieben angesichts von 1,4 Milliarden Katholiken?

Costa: In einigen Ländern sprechen wir längst davon, dass die Kirche altert und stirbt. Sie verliert den Kontakt zur Jugend, sie hat nicht genug Platz für deren heutige Lebensentwürfe. Wer will schon so eine greise, gerontokratische Kirche?

ZEIT: Franziskus hat diese Woche in Rom zu den Jugendlichen gesagt, wenn die Christen die Zukunft sein wollen, dürfen sie sich nicht ängstlich an die Vergangenheit klammern, sondern müssen etwas riskieren. Wie in der Liebe. Warum benutzt er solche weltlichen Vergleiche?

Costa: Weil er alle Jugendlichen, nicht nur die Kirchenmitglieder, erreichen will. Weil er seine Theologie nicht paternalistisch auf sie projizieren, sondern sie in ihrer konkreten Situation abholen und begleiten will. Weil er glaubt, dass Gott jeden Menschen zur Freude berufen hat.

ZEIT: Dieser Gott, so behauptet jetzt Franziskus, sei jung. Damit knüpft er an Augustinus an: Gott ist der Jüngste von uns allen. Denn in Gottes Ewigkeit gibt es kein Nacheinander; er ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig. Gott altert nicht und bleibt ewig jung. Deshalb darf seine Kirche nie nur am Alten hängen, sondern muss auf die Jungen hören, die ein Sensorium dafür haben, was kommt. – Wie hört man nun auf sie?

Costa: Das finden wir auch gerade erst heraus. Wir haben über 200.000 Antwortschreiben gesammelt, dazu kommen die Stimmen vom Jugendtreffen. In einer sich wandelnden Welt können wir die Menschen nicht mehr mit unwandelbaren Normen traktieren. Wir wollen sie verstehen und Pilger an ihrer Seite sein, ohne zu wissen, wohin wir gehen.