DIE ZEIT: Herr Markwort, Sie wollen für die FDP in den nächsten Bayerischen Landtag einziehen. Ist Ihnen so langweilig?

Helmut Markwort: Ganz im Gegenteil, es ist nur so, dass ich jetzt endlich mal Zeit habe, öffentlich etwas für die FDP zu tun. Als Chefredakteur des Focus war ich ja gewissermaßen gefesselt. Nun bin ich frei. Und die FDP ist nicht im Bayerischen Landtag, muss aber dringend da rein. Dabei helfe ich mit.

ZEIT: Man hat Sie am vergangenen Wochenende auf Listenplatz 32 gewählt. Das dürfte dann eher schwierig werden.

Markwort: Sie irren sich. Bei der Bundestagswahl mag der Platz hoffnungslos sein, weil die Liste da starr bleibt. In Bayern ist das anders. Bei uns kann jeder Wähler mit seiner Zweitstimme die Liste verändern. Keiner muss die von den Parteien vorgegebene Reihenfolge schlucken. Jeder kann sich einen beliebigen Kandidaten aussuchen. Und ich gebe zu: Ich rechne schon auch ein bisschen mit meiner persönlichen Bekanntheit. Ich sage Ihnen, das Allerwichtigste in diesem ganzen Interview, ganz egal, was Sie sonst schreiben, ist dieser Platz 32. Der muss da drinstehen! Winston Churchill hat mal gesagt: "Schreiben Sie über mich, was Sie wollen, Hauptsache, Sie schreiben meinen Namen richtig." Ich sage: Hauptsache, Sie nennen Listenplatz 32!

ZEIT: Das ist Ihnen wichtiger als alles andere?

Markwort: Ich will viele Stimmen ziehen für die FDP, auch von Nichtwählern. Bei der letzten Landtagswahl lag die Wahlbeteiligung bei knapp 64 Prozent. Da will ich gern einen Beitrag dazu leisten, dass sie wieder steigt. Ich stelle aber auch immer wieder fest, dass die Leute leider keine Ahnung vom bayerischen Wahlrecht haben. Und die CSU profitiert davon!

ZEIT: Inwiefern?

Markwort: Schauen Sie, viele Wähler der FDP splitten ihre beiden Stimmen. Sie wählen mit der Zweitstimme FDP, aber mit der Erststimme einen Direktkandidaten von CSU oder SPD. Bei der Bundestagswahl mag das in Ordnung sein. Da haben 56 Prozent der FDP-Wähler so taktiert. Bei der Landtagswahl aber wäre das aus FDP-Sicht existenzgefährdend. Denn wie viele Abgeordnete eine Partei im Landtag stellt, ergibt sich im Unterschied zur Bundestagswahl aus der Addition von Erst- und Zweitstimmen. Diese Information will die CSU nicht verbreiten, weil ihr jeder FDP-Wähler nutzt, der ihr die Erststimme gibt.

ZEIT: Sie sind jetzt 81 Jahre alt. Wenn es mit dem Einzug in den Landtag klappt, werden Sie wahrscheinlich Alterspräsident.

Markwort: Das ist mein Ziel!

ZEIT: Sie haben es darauf angelegt?

Markwort: Ich kenne mich ja in der bayerischen Politik ganz gut aus und habe in allen Parteien recherchiert. Die haben keinen so Alten wie mich. Wenn ich reinkomme, werde ich Alterspräsident!

ZEIT: Als Alterspräsident dürften Sie die Eröffnungsrede in der ersten Landtagssitzung halten. Was schwebt Ihnen vor: etwas Grundsätzliches oder eher Fakten, Fakten, Fakten?

Markwort: Ich würde sicher dafür plädieren, dass der Fraktionszwang nicht so streng gehandhabt wird. Und ich will Politikerphrasen vermeiden. Aber Fakten begleiten mich schon mein Leben lang, und mein Slogan wird auch sein: Fakten in den Landtag! Eigentlich bin ich immer ein Reporter geblieben. Ich werde also recherchieren, mit möglichst vielen Bürgern reden. Ich will in Unternehmen, bei Eltern und in Polizeirevieren fragen, wo es drückt und womit sich der Landtag beschäftigen soll. Das Ergebnis will ich dann in klarer deutscher Sprache verbreiten. Ein Thema wird sicher der ganze bürokratische Wahnsinn sein, mit dem sich Unternehmen herumschlagen müssen. Ich fordere eine Untergrenze für Vorschriften!

ZEIT: Soll das auch auf Ihre Wahlplakate?

Markwort: Ich weiß noch nicht, ob die FDP das übernehmen will.