Temperaturen um null Grad – das kann für jemanden, der unter Brücken oder in Hauseingängen schlafen muss, den Tod bedeuten. Immer wieder erfrieren in deutschen Städten Obdachlose, trotz kommunaler und privater Hilfsangebote. Umso erschreckender, wenn einer der Bettler in der U-Bahn sein Tun damit begründet, er sammle "für einen warmen Platz zum Schlafen"; die Unterkünfte für Wohnungslose seien "alle voll". Als Zuhörer fragt man sich schockiert: Kann es sein, dass man in dieser Stadt die Ärmsten eiskalt der Gefahr des Kältetodes aussetzt?

Um es gleich zu sagen: Nein, so ist es nicht. Nicht umsonst haben Hilfsorganisationen wie die Diakonie die Hamburger schon beim letzten Wintereinbruch aufgerufen, Obdachlose auf "warme Unterkünfte" hinzuweisen. Neben privaten Initiativen und 118 Schlafplätzen in Wohncontainern auf dem Gelände von Kirchengemeinden und Hochschulen sind dies vor allem die Unterkünfte des städtischen Winternotprogramms (WNP). Dieses hat nach Auskunft der Sozialbehörde den höchsten Standard bundesweit: Es gibt Betten statt Isomatten, Duschen, Paarzimmer, barrierefreie Räume und seit diesem Winter auch abschließbare Schränke. Die Häuser des WNP haben noch bis zum 2. April geöffnet – normalerweise von 17 bis 9.30 Uhr; in der letzten Kälteperiode Anfang des Jahres verlängerten die Verantwortlichen die Zeiten auf 15 bis 11 Uhr. Trotzdem blieben von den rund 800 Betten etwa 15 Prozent frei. Etliche Obdachlose schlafen doch lieber auf der Straße.

Warum?

Weil in den Unterkünften weder Alkohol noch Drogen erlaubt sind, aber auch keine Hunde – für viele Wohnungslose besonders schmerzlich, da die Tiere für sie nicht nur, wie für andere Hundebesitzer auch, zur "Familie" gehören, sondern oft das einzige "Familienmitglied" sind. Und auch weil nicht jeder, der in Hamburg kein Dach über dem Kopf hat, Anspruch "auf umfassende Hilfe" hat. Wie jene Menschen aus Osteuropa, die ohne berufliche Aussichten herkommen und hier weder Hartz IV noch Grundsicherung erhalten können. Die werden aufgeklärt und gebeten, in ihre Heimat zurückzukehren, wenn sie dort eine Wohnung besitzen. Sie bekommen ein Ticket für die Heimreise und eine Unterkunft bis zur Abfahrt. Wer nicht abreisen will, dem bleibt in der Tat das Winternotprogramm verwehrt. Aber in kalten Nächten steht ihm eine Wärmestube offen.