Anderthalb Stunden lang begründete Richterin Ingeborg Bäumer-Kurandt im Wiesbadener Landgericht ihr Urteil: Des vollendeten gewerbsmäßigen Betrugs sah sie die beiden Angeklagten überführt. Verschiedene Bilder, die sie über eine Kunsthandelsfirma angeboten hatten, seien naturwissenschaftlich zweifelsfrei als Fälschungen identifiziert worden, an ihren Herkunftsgeschichten seien Zweifel angebracht. Die Angeklagten hätten dies gewusst und die Werke trotzdem als Originale verkauft. Deshalb verurteilte sie den einen Angeklagten Itzhak Zarug, der als Drahtzieher gilt, zu zwei Jahren und acht Monaten Haft und Beteiligung an den Verfahrenskosten in sechsstelliger Höhe. Sein Mitangeklagter Moez Ben Hazaz erhielt sogar drei Jahre Haft.

Der Prozess gegen Zarug und Ben Hazaz war eines der längsten Verfahren wegen mutmaßlichen Kunstbetrugs, das es in Deutschland je gegeben hat. Fünf Jahre, von den Festnahmen 2013 bis zum Urteil vergangene Woche, erschütterte der Fall den Kunstmarkt. Es ging um unter Fälschungsverdacht stehende Werke der russischen Avantgarde, darunter solche von Künstlern wie El Lissitzky, Kasimir Malewitsch und Michail Larionow.

Itzhak Zarug, 72-jähriger israelischer Geschäftsmann, schien, obwohl er auf der Anklagebank saß, das Urteil der Richterin nicht gehört zu haben – oder er ignorierte deren Ausführungen einfach. Denn noch im Gerichtssaal ließ sein britischer PR-Berater eine vorbereitete Erklärung verteilen: "Ich freue mich, dass sich die gegen mich und meine Bilder erhobenen Behauptungen als haltlos erwiesen haben." Die zweite Mitteilung folgte noch am selben Abend per E-Mail: "Mehr als 1.800 Werke, die 2013 von deutschen Behörden beschlagnahmt worden waren", seien nun vom Gericht "als authentisch akzeptiert worden". Außerdem habe das Gericht "die Existenz eines internationalen Kunstfälscherrings zurückgewiesen".

Auf die Spur gekommen war man den beiden Angeklagten und nun Verurteilten durch Ermittlungen in Israel, bei denen es um Geldwäsche ging und die auch in den deutschen Kunsthandel führten. Zarug hatte 2002 in Wiesbaden eine Galerie gegründet. Er besorgte die Bilder, der gebürtige Tunesier Ben Hazaz verkaufte sie als Geschäftsführer der Kunsthandelsfirma SNZ Galeries. Für bessere Verkäuflichkeit fälschte er wiederholt die Herkunft der Werke. Neben Ben Hazaz, der 2005 auch Anteilseigner der SNZ Galeries wurde, arbeiteten für Zarug mindestens fünf weitere Agenten, die über die Galerie in Wiesbaden hinaus in ganz Europa Werke verkauften, die Zarug besorgte.

Unklar blieb im Prozess auch, wer die Werke gefälscht hat

Was sie für viel Geld anboten, stammte mindestens zum Teil aus Israel. Dort hält sich regelmäßig der russische Staatsbürger Juri V. auf, gegen den israelische Behörden ermittelten mit dem Verdacht, Kunstwerke gefälscht zu haben. Das Wiesbadener Gericht erfragte von den israelischen Behörden dazu Informationen – bekam aber keine Antwort. Dass V. im Auftrag von Zarug gefälscht hätte, konnten die Ermittler nicht beweisen.

Sie bestätigten aber den Vorwurf des Betrugs: Zarug und Ben Hazaz verkauften Gemälde und Papierarbeiten als Originalwerke, obwohl sie wussten, dass es keine sein konnten. Das sah die Kammer in mehreren Fällen als erwiesen an. Dass Ben Hazaz die Provenienzen fälschte, belegen im Auftrag der Staatsanwaltschaft abgehörte Telefonate. Und seine eigenen Einlassungen im Rahmen eines "Deals" mit dem Gericht, durch den seine Strafe milder ausfiel.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft über 1.500 Kunstwerke beschlagnahmen lassen, mit denen Zarug und seine Kollegen handelten. Der Verkauf zahlreicher Werke stellte sich als bereits verjährt heraus. Aber auch weil die nicht verjährte Menge jedes Verfahren gesprengt hätte, erhob die Staatsanwaltschaft nur in 19 Fällen Anklage, in denen die Ermittlungen besonders vielversprechend waren, um einen Betrug zu belegen.