Im Jahr 1975 verlieh Papst Paul VI. Stephen Hawking die renommierte Pius-XI.-Medaille der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften für seine außergewöhnlichen Forschungsbeiträge. Ein Foto davon zeigt Hawking in seinem Rollstuhl und Paul VI., der vor ihm kniet und ihm die Medaille überreicht. Dieses bemerkenswerte Bild ist ein wundervolles Beispiel für die Partnerschaft von Wissenschaft und Glauben, wie sie Johannes Paul II. gleich am Anfang seiner Enzyklika Fides et Ratio (1998) vorschlug: "Glaube und Vernunft sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt."

Als Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften genoss ich das außergewöhnliche Privileg, Stephen bei seiner Ernennung zum Mitglied 1986 zu treffen. Die Akademie ist der Nachfolger der Academia Lynceorum, der weltweit ersten ihrer Art, gegründet von Prinz Federico Cesi 1603 in Rom und angeführt von Galileo Galilei. Ich habe keine Kompetenz in Physik, in der Stephen so herausragend war, aber natürlich hat mich wie so viele andere Stephens Persönlichkeit als Wissenschaftler und Mensch fasziniert. Ich bewunderte Stephens Treue zur Akademie und sein Verlangen danach, die Päpste im Lauf seiner Mitgliedschaft zu treffen. Es war der Heilige Johannes Paul II., der ihn zum Mitglied der Akademie ernannt und ihm die Insignien überreicht hat. Er beugte sich zu Stephen hinunter – der sehr aufmerksam in seinem Rollstuhl saß – und verlieh seiner Freude und seiner Hoffnung auf künftige Zusammenarbeit Ausdruck. Hawking traf mehrmals in der Akademie auf den Papst, stets mit großer Rührung.

Stephens Treffen mit Papst Benedikt XVI. im Jahr 2012 war sehr bedeutungsvoll. Fotos davon zeigen, wie Papst Benedikt Stephen mit dem Zeichen des Kreuzes auf der Stirn segnet. Ich erinnere mich genau daran, dass Stephen sehr bewegt war und dem Papst mithilfe seines Sprachsynthesizers antwortete, er sei gekommen, um die Beziehung zwischen Glauben und Wissenschaft zu vertiefen. Hawkings Haltung zur Entstehung der Welt war sicherlich eindeutig. In seinem Lebenslauf für die Akademie schrieb er: "Es gab keine Singularität und kein einzelnes Ereignis, das als Schöpfung identifiziert werden könnte." Man muss sagen, dass der heilige Thomas von Aquin – entgegen der These des heiligen Bonaventura – eine ähnliche Position vertreten hat, dass nämlich der zeitliche Beginn der Schöpfung nicht durch menschliche Vernunft bewiesen werden könne und dass Christen ihn nur durch Glauben annehmen. Sankt Thomas schrieb: Dass die Welt zu existieren begann, ist ein Gegenstand des Glaubens. Während er also als Christ akzeptierte, dass die Welt faktisch einen zeitlichen Anfang hat, betonte er, dass wir dies nur durch die Offenbarung erkennen und dass Philosophie oder Naturwissenschaften (die menschliche Vernunft) nicht beweisen können, dass die Welt einen zeitlichen Startpunkt hatte – in Hawkings Worten "ein einzelnes Ereignis, das als Schöpfung identifiziert werden könnte".

Gewiss, die Bekräftigung, dass der Anbeginn der Welt nur dem Glauben zugänglich ist ("mundum incepisse sola fide tenetur"), und damit der Verzicht auf den Versuch, Bibel und Wissenschaft allzu simpel in Übereinstimmung zu bringen, bedeutet nicht, dass Thomas von Aquin die Schöpfung nicht von einem philosophischen Standpunkt aus beweisen kann. Eine Verwirrung, vor der man sich hüten muss, liegt in den zweierlei Bedeutungen des Begriffs "Ursprung": erstens als der Anfang der Welt in den frühen Phasen der Ausdehnung des Universums, zweitens als der Anfang der Teilhabe am Sein, das vom essenziellen Sein kommt, also von Gott. Das ist eine metaphysische Argumentation, der gegenüber Stephen vielleicht offen war, als er in seinem Lebenslauf für die Akademie folgerte: "Stattdessen könnte man sagen, das Universum sei quantenmechanisch aus dem Nichts erschaffen worden."

Gegen Ende seines Lebens drückte Stephen den Wunsch aus, Papst Franziskus zu treffen. Die Gelegenheit ergab sich im November 2016 bei der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie zu Wissenschaft und Nachhaltigkeit, bei der Stephen eine Vorlesung über den Ursprung des Universums hielt. Besonders einflussreich war seine Erklärung der "kosmischen Inflation" – einer Theorie, welche die ganz frühen Phasen unseres sich ausdehnenden Universums beschreibt. Er sprach über die jüngsten Fortschritte bei der Verbindung der zwei großen physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts: der Quantentheorie und Einsteins Gravitationstheorie.

Papst Franziskus ging auf ihn mit großer Zuneigung zu. Sie berührten einander an den Händen, einmal mehr ein Symbol der Begegnung von Wissenschaft und Glauben sowie der Liebe und der Barmherzigkeit, wo die Person, die den Verlust ihrer körperlichen Fähigkeiten erleidet, nicht nur zum Empfänger von Nächstenliebe und Gnade wird, sondern auch zum Helden der Liebe für andere, besonders für die Leidenden. Stephen wird in der Herzenserinnerung seiner vielen Freunde, Schüler und Bewunderer weiterleben, genauso wie in den Annalen der Wissenschaft. Mehr noch dürfte jeder in der Welt inspiriert worden sein von seinem heroischen Beispiel des Erfolgs gegen alle Widerstände – ein Ausdruck erstaunlicher Willenskraft und Entschlossenheit gegenüber den gesundheitlichen Widrigkeiten, die ihn fortschreitend lähmten.