Rudi Anschober, grüner oberösterreichischer Integrationslandesrat startete im vergangenen Dezember die Initiative Ausbildung statt Abschiebung und wirbt für das deutsche Modell "3+2", das Asylwerbern erlaubt, für den Zeitraum der Ausbildung und für zwei weitere Jahre als Fachkraft im Land zu bleiben. Dann wird der Aufenthaltsstatus neu geprüft.

Für Österreich sei diese Lösung ungeeignet, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium: Wenn Asylwerber eine gewisse Dauer von etwa fünf Jahren im Land seien, würde dies automatisch ein Bleiberecht auslösen.

Für Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl spielt es eine untergeordnete Rolle, welche Lösung die passende ist. "Mehr als drei Viertel unserer Unternehmen nennen den Fachkräftemangel als ihr größtes Problem", sagt Leitl. Negative Asylbescheide träfen dadurch den Jugendlichen, aber auch den Betrieb mit entsprechender Härte. Er wünscht sich raschere Asylverfahren und pocht bei den anhängigen Fällen auf eine aufenthaltsrechtliche Einigung, etwa in Form einer "humanitären Lösung oder der Rot-Weiß-Rot-Card", erklärt er. Leitls designierter Nachfolger Harald Mahrer schweigt lieber zu dem Problem.

Vor zwei Wochen schrieb der oberösterreichische Großunternehmer Andreas Fill in einem Brief an Sebastian Kurz von den guten Erfahrungen, die Innviertler Betriebe mit Asylwerbern gemacht haben. Fill, Chef des gleichnamigen, international tätigen Maschinen- und Anlagenbauunternehmens, spricht von einer "Win-win-Situation" für Unternehmer und ihre Lehrlinge.

"Der Umstand, dass für Asylwerber bis zum 25. Lebensjahr die Möglichkeit eröffnet wurde, eine Lehre auszuüben, steht in keinem Zusammenhang mit der Prüfung ihres Asylvorbringens", heißt es im Antwortbrief des Bundeskanzleramtes. 964 anerkannte Schutzberechtigte würden eine Lehrstelle suchen.

Diese wohnen jedoch nicht dort, wo sie gebraucht werden. Vor allem Unternehmen am Land finden kaum noch Lehrlinge. "Wir müssen sehr viel Zeit in die Lehrstellen investieren", sagt Sylvia Hochstöger. Jahr für Jahr gehe sie auf Berufsmessen und in Schulklassen, um den Beruf des Dachdeckers und Spenglers wieder attraktiv zu machen. Doch das nütze nicht viel. Hochstöger hofft auf einen Abschiebestopp für Asylwerber in Ausbildung. Denn schließlich möchte sie vor allem eines: motivierte und geschickte Lehrlinge für ihren Betrieb.