Klaus-Michael Kühne hat es in den letzten Jahren immer mal wieder gesagt: Das Fontenay – "meine kleine Elbphilharmonie". Wahnsinnig komplizierte Architektur, wuchernde Kosten, eine sieben Mal verschobene Eröffnung. Der Bau wurde nicht fertig, dafür teurer und teurer.

Seit vergangener Woche ist das 130-Zimmer-Luxushotel an der Außenalster nun endlich geöffnet. Und als der 80-jährige Bauherr es zur Eröffnung noch einmal sagte, "meine kleine Elbphilharmonie", da klang es plötzlich gar nicht mehr klagend, eher triumphierend. Der Schmerz lässt nach, die Wunden heilen. Kühne hat jetzt ordentlich was herzuzeigen.

Und tatsächlich, das Atrium, meine Güte! Es ist genau der richtige Raum für diesen, sagen wir: erlösenden Elbphilharmonie-Moment. Man tritt hinein ins Rund, schaut sich um und denkt spontan: Menschenskinder, dafür hat es sich doch gelohnt!

Knapp dreißig Meter geht der Blick hinauf. Ringsum staffeln sich Etage für Etage mannshohe Glasbausteine bis in den sechsten Stock, wo irgendwo über der Balustrade eine gewölbte Decke in Weiß die Kuppel abschließt. Und gleichzeitig gibt es noch einen zweiten, sehr breitwandigen Hammerblick, der geradewegs über das Atrium und die Wiese vor dem Haus hinweg zur Alster hinausreicht. Flash also von vorn, Flash von oben – aus diesem Kuppelsaal will man erst mal nicht wieder weg.

Man sinkt in einen der samtigen Sessel, die großzügig in den Raum gewürfelt sind, halbrund umrahmt von einem 25 Meter langen Sofa, und schaut sich noch ein wenig um. Ein paar Männer, Burberry-Schal hier, rote Hose dort, sitzen bereits, ebenso ein apartes Pärchen ganz in Schwarz und zwei Freunde, die auch gut zu den Harley Days passen würden. Eine Sitzgruppe weiter sagt eine tief gebräunte Frau in den Sechzigern zu ihren Begleiterinnen: "Man soll sich auch was gönnen. Und man soll auch erste Klasse leben, wenn man es kann." Der Satz passt zweifellos gut hierher.

The Fontenay soll künftig Hamburgs bestes Hotel sein, schon jetzt ist es das teuerste. 355 Euro kostet eine Nacht im Standardzimmer mindestens, und wenn sich zwei Menschen das zwei Meter breite Bett teilen und am nächsten Morgen beide frühstücken wollen, kommen noch einmal 70 Euro dazu.

Aber natürlich darf auch ins Haus, wer diesen Einstiegspreis nicht zahlt. Die beiden Restaurants und die Bar des Fontenay rechnen fest mit Hamburger Kundschaft. Das im Erdgeschoss gelegene Restaurant Parkview hat in seiner Glasfront zur Alster hin sogar einen zweiten Eingang, als niedrigschwelliges Angebot für jene, die sich sonst erst einen kleinen Schubs geben müssten, um über die breite Auffahrt am Portier vorbei durch den Haupteingang zu treten. Eine vergleichsweise harte Tür hat lediglich das Spa im sechsten Stock; man muss schon eine Anwendung für mindestens 150 Euro buchen, um als Nicht-Hotelgast hineinzudürfen.

Früher stand an dieser Stelle das Hotel Intercontinental, ein hässlicher Siebziger-Jahre-Riegel. In dem war Klaus-Michael Kühne – in Hamburg geboren, in der Schweiz zu Hause – Jahrzehnte lang zu Gast. 2012 kaufte er den leer stehenden Kasten, ließ ihn abreißen und neu bauen. Für wie viel, wird heute nicht mehr verraten. Mehr als 100 Millionen Euro hat der Neubau sicher gekostet; ob es am Ende 150 Millionen waren oder noch mehr – Kühne muss, anders als die Bauherren der großen Elbphilharmonie, seine Rechnungen nicht offenlegen. Der bekannte Hamburger Architekt Jan Störmer hatte für das Logistikunternehmen Kühne + Nagel schon dessen Hauptverwaltung in der HafenCity errichtet. Als er nach einem Wettbewerb auch den Zuschlag für The Fontenay erhielt, sagte er dem Bauherren sofort: "Herr Kühne, Sie wissen, dass Sie sich hier für einen sehr teuren Entwurf entschieden haben." So erzählt er es in dem gerade erschienenen Buch Jan Störmer – Architekt.

Störmer fand angeblich zur gewundenen Form des Gebäudes, indem er über die Silhouette ineinandergreifender Baumkronen meditierte. Vor dem Haus, am Alsterufer, gibt es ja einige davon. Beim Draufblick aufs fertige Hotel kommt einem allerdings als Erstes ein Fidget Spinner in den Sinn, weil der Baukörper genau wie das Spielzeug eine große Wellenbewegung um drei miteinander verbundene Kreise schlägt. Das Zusammenspiel der einzelnen Bögen, gepaart mit manchem Extraschwung am Rande der oberen Etagen, macht das Gebäude im Ganzen zu einem ziemlichen Kurvenstar, vor allem im Inneren. Wer beim Gang durchs Haus darauf achtet, der wird sich fast schon verführerisch von vorbeifließenden Rundungen umgeben sehen. "Die Form dieses Hotels ist so stark", hat Jan Störmer kühn erklärt, "dass jedes Möbelstück eigentlich Rücksicht auf die Architektur nehmen muss."