Beim Kaffee, sagt Florian Hammerstein, gibt es genau zwei Erfolgsstrategien. Die eine geht so: Man versucht, den Kaffee möglichst billig einzukaufen und möglichst viel günstig unters Volk zu bringen. Qualität: fast egal. Das ist die Discounter-Strategie. Die andere lautet: Biete einen Kaffee an, der gut schmeckt, handverlesen ist, eine Geschichte erzählt – und der dafür auch teuer sein darf. Das ist die Strategie von Florian Hammerstein. Sein Kaffee ist teuer, er kostet im Laden fast 30 Euro pro Kilo. Aber die Geschichte, die sein Kaffee erzählt, liest sich dafür fast wie ein Märchen.

Ihren Anfang nimmt diese Geschichte im Jahr 2003. Florian Hammerstein erfährt aus einem Zeitungsartikel, dass in den Wäldern Äthiopiens wilder Kaffee wächst, die Wälder aber von der Abholzung bedroht sind. Hammerstein, der jahrelang in Großunternehmen im Marketing gearbeitet hatte, beschließt, etwas zu tun. Er geht auf eine Reise, die den Konzernmenschen Hammerstein in den Unternehmer Hammerstein verwandeln wird.

In der äthiopischen Provinz Kaffa angekommen, erfährt er, dass die Kleinbauern den wilden Kaffee bisher selbst verbrauchen oder auf lokalen Märkten verkaufen. Auf die Idee, die Bohnen als besondere Wildsorte in Europa zu verkaufen, ist bisher keiner gekommen. Hammerstein will das ändern. Er will mithelfen, den Wald zu retten.

Und er wittert gleichzeitig eine Geschäftsidee: Die Bohnen sind von so hoher Qualität, dass sie exportiert und als Feinkostprodukt verkauft werden könnten. Mit dem Verkauf, so denkt sich Hammerstein damals, könnten sich die äthiopischen Kleinbauern ein besseres Leben leisten, er könnte mit einer deutschen Firma daran verdienen. Und es würde sich mehr lohnen, den Wald zu erhalten, statt ihn abzuholzen.

Heute, 15 Jahre später, ist Hammerstein Gründer und Geschäftsführer der Firma Original Food aus Freiburg. Sie importiert und vertreibt Wildkaffee aus äthiopischen Wäldern. Das Projekt klingt wie eine rettende Lösung, die Umweltschutz und Entwicklung vereint und mit der sich Geld verdienen lässt. Schaut man genauer hin, ist es vor allem ein beeindruckendes Einzelprojekt, das sich kaum übertragen lässt.

Das fängt schon damit an, dass die Kaffeebohnen in Äthiopien wild im Regenwald wachsen und, einmal reif, nur geerntet werden müssen. Hammerstein garantierte den Bauern die Abnahme und zahlte von Anfang an das Doppelte des Weltmarktpreises für Kaffee. In den vergangenen Wochen lag dieser bei rund zwei Euro pro Kilogramm. Die Bauern fingen an, stärker auf die Qualität der Bohnen zu achten, die sie im Wald pflückten, ließen die Unreifen hängen und die schon Verdorbenen liegen. Auch dank Hammersteins Hilfe sind heute rund 15.000 Bauern in Kaffa und der Nachbarregion Sheka in fast 50 Kooperativen organisiert. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gründeten äthiopische Geschäftsmänner in Absprache mit Hammerstein eine Dachgenossenschaft, die "Kafa Forest Coffee Farmers Cooperative Union", die die Bohnen nach Deutschland exportieren darf. "Ich habe von Anfang an einen Markt für das Produkt gesehen", sagt Hammerstein. "Sonst hätte ich damit niemals angefangen."