Konfirmation © Petra Bahr

"Das Geschenk meiner Patin zur Konfirmation habe ich noch." Die alte Dame zeigt auf eine Holztruhe. Sie hat sie auf den Rollator gelegt und öffnet den Deckel. Das Kreuz ist aus eingeschmolzenem Familienschmuck. In dieser Kiste verbirgt sich mehr als das Schmuckstück. Eine Lebensgeschichte liegt auf dem Samtkissen, eine Geschichte aus Flucht und Heimatverlust und Krieg und Tod, aber auch aus Neuanfängen und Zukunftshoffnung. Die Konfirmation der alten Frau war 1948. Hinter den Falten lächelt verlegen ein junges Mädchen. Die Zöpfe wippen neugierig in die Zukunft.

Sie ist nicht die Einzige, die dann im Gottesdienst neben anderen in der Kirchenbank sitzt. Vor 50, 60, 70, ja sogar vor 80 Jahren feierten diese Männer und Frauen ihre Konfirmation. Der älteste von ihnen ist 1918 geboren, in einer anderen Welt. Erinnern sie sich an den Sonntag? "Ich erinnere mich an die Angst vor der Prüfung", sagt eine drahtige Frau mit kurzem Haar. "Die Gesangbuchlieder, die Psalmen, der strenge Blick des Kirchenvorstands. Als das geschafft war, konnte ich auch hohe Berge erklimmen. Das habe ich dann auch gemacht." Dann zählt sie die Berge auf, die ich nur aus Abenteuergeschichten kenne. "Mein Gottvertrauen hat mir immer geholfen. Auch als andere Höhen und Tiefen im Leben auftauchten", sagt die Bergsteigerin.

Was bedeutet die Konfirmation für ein Leben? "Der Tag hat sich zu einem Foto im Familienalbum verklärt", sagt ihr Nachbar. "Mehr erinnere ich nicht. Aber die Hände des Pastors auf meinem Kopf, die kann ich immer noch spüren." Gottes Segen, warm und schwer. "Oder ist das jetzt falsch"? Er blickt mich unsicher an. "Im Gegenteil", sage ich und denke: So muss Segen sein – eine Wärme und Schwere, die nie vergeht. "Mir ist beim Toben am Nachmittag die Hose zerrissen. Das gab einen Mordsärger", erinnert sich ein anderer Jubilar. "In der letzten Woche wurde mein Enkel konfirmiert. Er hat sich auch die Hose aufgerissen. Wir alle lachten. Der Junge hat einen Schrank voll mit Hosen."

So haben sich die Zeiten geändert. Der Segen Gottes ist gleich geblieben. Den brauchen die jungen Leute heute. Sie haben es nicht leichter, sich als Christen zu bekennen. Die Konfirmation ist wie eine Kette am Hals. Sie ist immer da, unbemerkt. Manchmal greift die Hand danach und hält sich an ihr fest, wie an dem Kreuz aus dem Familienschmuck.