In München kostete im vergangenen Jahr ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft durchschnittlich 570 Euro, in Frankfurt am Main 450 und im bundesweiten Durchschnitt 353. Die Zahlen ermittelte das Moses Mendelssohn Institut (MMI) gemeinsam mit der Plattform wg-gesucht.de. Ein Student, der eine finanzielle Unterstützung vom Staat bezieht, das Bafög, und nicht bei seinen Eltern wohnt, bekommt für seine Unterkunft aber nur maximal 250 Euro. Das ist die Pauschale, die ihm der Staat gewährt. Die Differenz zu den realen Kosten ist gewaltig. Nach Berechnung des MMI kann sich ein Student von seinem Bafög nur in 5 von 93 untersuchten Städten ein Zimmer zum Durchschnittspreis leisten. Das ist nicht akzeptabel.

Bafög soll jenen Studenten ein Studium ermöglichen, deren Eltern sie finanziell nicht ausreichend unterstützen können. Der Höchstsatz liegt seit 2016 bei 735 Euro, er setzt sich zusammen aus verschiedenen Pauschalen für den Grundbedarf (399 Euro) oder die Krankenversicherung (71 Euro). Und eben auch für die Wohnung. Die Sätze sind so knapp berechnet, dass die in der Realität viel höheren Wohnkosten nicht dadurch kompensiert werden können, dass ein Student an anderer Stelle spart.

Das haben jetzt auch die Regierungen von drei Bundesländern erkannt. Berlin, Brandenburg und Bremen brachten am Freitag vergangener Woche einen Gesetzentwurf in den Bundesrat ein. Die Wohnpauschale, so schlagen sie vor, soll auf 300 Euro erhöht werden. Liegt die Miete nachweislich darüber, sollen Studenten noch einmal bis zu hundert Euro mehr bekommen. Falls die Heizkosten extra berechnet werden, gäbe es auch dafür 50 Euro zusätzlich. Zusammengerechnet würde ein Student also für seine Unterkunft 450 Euro bekommen können, fast doppelt so viel wie heute.

Der Vorschlag ist überfällig, denn die rasant gestiegenen Mieten müssen im Bafög berücksichtigt werden. Einwände dagegen überzeugen nicht: Dass Studenten in geförderte Wohnheime ziehen sollen, ist nur selten eine Lösung, weil in den meisten Städten die Wartelisten extrem lang sind. Es gibt zu wenig Plätze. Und bei den Eltern zu bleiben geht nur, wenn die in Hochschulnähe wohnen und ihr Kind dort einen Studienplatz bekommt. Der Vorschlag der drei Bundesländer würde auch ein grundlegendes Problem beim Bafög lösen: Bisher bekommt jeder Student den gleichen Wohnbetrag, egal ob er in Cottbus oder München wohnt. Die Mietkosten sind aber von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. Das fängt der Vorschlag endlich auf.

Er löst aber auch nicht alles. Denn die Probleme beim Bafög gehen über die Mietpauschale hinaus. Im Sommersemester 2016 bekamen 18 Prozent aller Studenten die Förderung, so wenige wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Das liegt an den mittlerweile relativ niedrigen Einkommensgrenzen, ab denen Studenten aus der Förderung fallen. Sie wurden kaum an die steigenden Einkommen angepasst. Bafög bekommen kann auch nur, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wer bei Studienbeginn nicht älter als 30 ist und wer in Vollzeit studiert. Warum aber werden Studenten ausgeschlossen, die ein Kind bekommen haben und deshalb in Teilzeit studieren? Oder wer zwar in einem etwas höheren Alter, aber dann hoch motiviert zur Uni geht?

Bildung ist entscheidend für beruflichen Erfolg und sozialen Aufstieg. Und erfolgreich studieren kann nur, wer sich keine Sorgen machen muss, wie er die nächste Miete zahlt – und wer nicht Regale im Supermarkt einräumen muss, anstatt in der Vorlesung zu sitzen. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es, das Bafög "wird ausgebaut und die Leistungen werden deutlich verbessert". Der Vorschlag der drei Bundesländer ist eine gute Gelegenheit, damit anzufangen.