Manchmal, sagt Lutz Weber, frage er sich, wie das Leben in seinem Haus vor ein paar Jahren wohl war und wo die Menschen, die dort mal lebten, nun wohnen. "Viele sind jedenfalls nicht mehr übrig." Im Treppenhaus treffe man kaum jemanden. Kürzlich habe eine Nachbarin einen Zettel aufgehängt: Sie wohne jetzt seit einem Jahr hier und habe noch keinen Nachbarn kennengelernt. Wo denn alle seien?

Das Haus, in dem Weber wohnt, gehört der schwedischen Immobiliengesellschaft Akelius GmbH. Das Konzept des Konzerns besteht darin, Wohnungen zu sanieren und sie dann deutlich teurer neu zu vermieten. Das führe dazu, sagt Weber, dass in seinem Haus fast nonstop renoviert werde. Und dass kaum noch Bewohner von früher geblieben seien. "Entweder konnten sie sich die Mieten nicht mehr leisten, oder sie hielten den Baulärm nicht mehr aus", vermutet Weber, der eigentlich anders heißt, aber seinen Namen aus Angst vor Ärger lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Akelius besitzt laut Eigenauskunft in Hamburg 4200 Wohnungen in 143 Objekten und gehört damit zu den größten privaten Immobilienbesitzern der Stadt. Die Akelius-Wohnwelt klingt verheißungsvoll. Der Slogan auf der Website lautet "Better living", die Apartments, heißt es, seien "First Class" – ausgestattet mit edlen Küchen, Parkett aus Schweden und Badezimmerfliesen "eines italienischen Lieferanten".

Neben einem gewissen Komfort für die Bewohner haben die Renovierungen oft eine weitere Folge: Dadurch, dass Akelius die Wohnungen laut Homepage auf eine "Qualitätsstufe mit neu errichteten Eigentumswohnungen" hebt, fallen sie aus der Mietpreisbremse. Weber zahlt für seine knapp 40 Quadratmeter warm 945 Euro, also fast 24 Euro pro Quadratmeter. Bei Akelius sind solche Preise keine Seltenheit.

Um als Mieter infrage zu kommen, musste sich Weber, 33 Jahre alt und alleinstehender Arzt, bei Akelius bewerben. Als er akzeptiert wurde, standen ihm auf dem umkämpften Wohnungsmarkt plötzlich Dutzende Wohnungen offen, die online nicht zu finden waren. Ein Mitarbeiter führte ihn herum: Gern könne Weber auch einen Generalschlüssel haben, um sich die Apartments abends noch einmal allein in Ruhe anzusehen.

Laut dem Mieterverein führt dieses exklusive Geschäftsmodell in zahlreichen Stadtteilen zu Verdrängung. Akelius habe seinen Aktionsradius kontinuierlich ausgeweitet, sagt Mieterverein-Chef Siegmund Chychla. Als Akelius 2006 auf den Hamburger Markt kam, habe das Unternehmen vor allem in begehrten Szenestadtteilen gekauft. "Heute ist die Marktlage in ganz Hamburg angespannt, überall können Preissteigerungen erreicht werden", sagt Chychla. Akelius kauft jetzt auch in Randlagen wie Hamm, Horn und Eilbek.

Zwar renoviert Akelius nur leer stehende Wohnungen und verdrängt niemanden direkt aus der Wohnung. Der Mietspiegel steige aber unweigerlich, sagt Chychla, und schließlich könnten es sich die Bestandsmieter nicht mehr leisten. "Wir beobachten, dass überdurchschnittlich viele Mieter ausziehen, wenn Akelius eine Immobilie übernommen hat."

Akelius ist ein weltweit agierendes Unternehmen mit Objekten in London, Paris und New York. Seine Mitarbeiter gehen an der unternehmenseigenen "Akelius University" in die Lehre. Hamburg ist nach Berlin der zweitwichtigste Markt in Deutschland. Das Regionalbüro Nord mit seinen 35 Mitarbeitern leitet Björn Endruweit. Hamburg sei attraktiv, weil die Stadt wachse und wohlhabend sei, sagt Endruweit. "Das Leerstandsrisiko ist extrem gering."

Den Vorwurf, sein Unternehmen verdränge Altmieter, lässt Endruweit nicht gelten: "Jeder kann so lange wohnen bleiben, wie er möchte. Es gibt keinen Druck und kein Drängeln." Wenn ein Mieter gehe, sei es seine freie Entscheidung. "Aber natürlich würden wir uns auch wünschen, dass sich noch mehr Menschen Wohnungen in attraktiven Lagen leisten könnten." Seinem Unternehmen einen Vorwurf zu machen, findet Endruweit unfair. "Einem Hersteller von Designer-Jeans würde auch niemand die hohen Preise vorwerfen." Jedem stehe es doch frei, sich billigere Hosen zu kaufen.